# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S38 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 38 — meinde drunter und drüber geht, ſoll er erſt recht bleiben. Dann iſt ſeine Anweſenheit am nöthigſten. Was aber nun wiederum die Frage betrifft, ob die zeitweilige Begrenzung des Berufes nicht nur ein großer Mangel und ſchwere Sünde ſei, ſondern ob dadurch die Göttlichkeit des Berufes überhaupt in Frage geſtellt werde, — ſo iſt ja wohl zu merken, daß in einem Beruf vielerlei Mängel mitunterlaufen mögen, wodurch die Göttlichkeit des Berufs keineswegs aufgehoben wird. So hat man z. B. bei den Reformirten und allen Secten, welche ihre Pre⸗ diger auf ihre falſchen Bekenntniſſe verpflichten, den Beruf doch als einen göttlichen (falls er nicht ſonſt auch ein zeitweiliger iſt) anzuſehen, da die Prediger in demſelben verpflichtet werden, Gottes Wort lauter und rein zu predigen und hierdurch jene Verpflichtung auf die Irrthümer rectificirt wird. Nun erſcheint freilich dies viel ſchlimmer als die zeitweilige Begrenzung des Berufs, und doch iſt jenes ein göttlicher Beruf, der zeitweilige aber nicht. Es geht dies hervor aus allen Stellen der heiligen Schrift, woraus wir erſehen, was den Beruf zum Predigtamt zu einem göttlichen macht. Alle Chriſten haben den allgemeinen Liebesberuf, zu tröſten, zu ſtrafen, zu ermah⸗ nen aus Gottes Wort. Darum ſind ſie aber noch lange keine Prediger. Die Frage iſt nun die: was unterſcheidet mich denn als Prediger von den übrigen Chriſten? Antwort: daß ich in einem Amte bin, das von Gott ſelbſt zu dem Zwecke geſtiftet iſt, das Evangelium öffentlich von Gemein⸗ ſchafts wegen zu predigen und die heiligen Sacramente zu verwalten. Schon in der göttlichen Berufung liegt ausgeſprochen, daß kein Menſch wiſſen kann, wie lange ich denſelben auszurichten habe. Gott weiß allein, wie lange ich ihm dienen ſoll. Wird nun im Beruf eine Zeit feſtgeſetzt, dann greife ich in Gottes Recht und mache den Beruf zu einem menſchlichen Contract. Würden die Falſchgläubigen einen Prediger nur mit Verpflichtung auf ihre Irrthümer berufen, dann wäre es allerdings kein göttlicher Beruf. Aber alle Secten verlangen, daß ihnen Gottes Wort lauter und rein gepre⸗ digt werden ſoll. Damit wird corrigirt, was ſie Falſches hinzugeſetzt haben. Wenn z. B. ein Methodiſtenprediger zur Erkenntniß der Wahrheit käme, der ſollte ſich wegen ſeines Berufes keine Scrupel machen, ſondern ſprechen: Ihr habt von mir verlangt, daß ich euch ſoll Gottes Wort rein und lauter pre⸗ digen, das will ich thun. Daß ich aber die „vollkommene Heiligung“ pre⸗ digen ſoll, das hat mir der Teufel aufoktroyirt und geht mich nichts an; ich muß im Gegentheil nach Gottes Wort dagegen zeugen. So war denn auch Luther ganz getroſt in ſeinem Auftreten gegen die römiſche Kirche, nachdem er zu rechter Erkenntniß gekommen war. Er tröſtete ſich ſeines Berufes, da er als Doctor der heiligen Schrift geſchworen hatte, die Bibel zu predigen und zu vertheidigen bis in den Tod. Damit hat er ſich gewehrt. Zwar hat er ſich auch verpflichten laſſen, die Meſſe zu leſen, aber das galt ihm nun nichts mehr, er hielt ſich an das Richtige in ſeinem Berufe.