# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 36 — Gottes Rathſtube geweſen, ſie weiß das nicht, wie lange Gott ihr dieſen Prediger laſſen will. Sobald alſo eine Creatur die Dauer des Berufes be⸗ ſtimmen will, ſo iſt er kein göttlicher. Früher gab es freilich in Amerika viele Hunderte, die nicht gültig berufen waren. Sie waren wohl in einem göttlichen Amte, aber nicht recht von Gott durch die Gemeinde berufen. Nun ſoll man bedenken: es iſt dies die Predigt des Geſetzes, die die Sicheren er⸗ ſchrecken ſoll. Dieſelbe geht aber die Bußfertigen um Chriſti willen nichts mehr an. Wer zur rechten Erkenntniß gekommen iſt, der hat ſich gewiß ſchon genug gegrämt, daß er früher ſo unwiſſend war. Und dann ſoll er doch auch zu ſeinem Troſt bedenken: hat er Gottes Wort gepredigt, ſo hat das gewiß auch ſeine Kraft erwieſen. Er hat dennoch, obgleich er nicht gültig berufen war, immer große göttliche Werke gethan: das Wort des lebendigen Gottes gepredigt, den Troſt desſelben geſpendet, die Sünder gewarnt und dergleichen mehr. Aber richtig und gültig war dennoch ſein Beruf nach Gottes Wort nicht. Das Licenzweſen, wonach man einem Manne eine Zeit lang das Recht verleiht zu predigen und zu taufen, iſt eine große Gottloſigkeit, die hier in Amerika getrieben wird. Die rechtſchaffenen Lutheraner haben Zeter darüber geſchrieen und dadurch bewirkt, daß man immer mehr davon abgekommen iſt. Wenn Einer von Deutſchland kam, der ſich zum Predigtamte meldete, ſo wurde er von den amerikaniſchen Kirchenräthen examinirt. Stellte es ſich nun bei ſolchem Examen heraus, daß er nicht wußte, ob Johannes ein Pro⸗ phet war oder nicht, ob die Offenbarung St. Johannis am Ende der Bibel oder vor den fünf Büchern Moſis ſteht, ob David vor oder nach den Rich⸗ tern gelebt hat, ſo ſagte man: Der Mann muß wohl noch zu tieferen Ein⸗ ſichten kommen, aber er kann doch auch ſchon Gutes ſtiften. So gab man ihm denn einen Zettel, laut deſſen er die Macht hatte, — die Leute zur Hölle zu führen. Was iſt eine Synode, die ſolche Greuel unter ſich duldet, anders, als eine Landſtreichergeſellſchaft, die nicht beſſer iſt, als ein ſolcher, den ſie zum Prediger gemacht hat? Mögen ſie auch bei ſich ſelbſt denken, ſie ſeien hierin liberal und nicht ſo ſchroff, wie die Altlutheraner: Gott wird es ihnen einſt zeigen, was es heißt, hierin nicht ſchroff ſein. An jenem großen Tage wird er zu ihnen ſagen: Bringt mir das Blut der Seelen wieder, das ihr theils ſelbſt, theils durch andere vergoſſen habt. — Was iſt es auch für eine Verkehrtheit! Man gibt ſolchen Leuten das Recht zu predigen, zu taufen, zu copuliren; nur das heilige Abendmahl zu verwalten, erlaubt man ihnen nicht; und bedenkt nicht, daß gerade das Predigen das Allerſchwerſte beim ganzen Amte iſt, daß gerade es das Heilſamſte iſt, was ein Prediger thun kann, daß es aber auch das Gefährlichſte für ihn und andere werden kann. Und dieſe Menſchen geben es dem Erſten, Beſten preis! Nur wenn das heilige Abendmahl verwaltet werden ſoll, dann ſoll einer von ihnen, der gechreſamt iſt, conſecriren. Doch dieſe Leute ſterben jetzt aus. Wer noch einen Tropfen Chriſtenblut in ſeinen Adern hat, geht mit Furcht und Zittern in's Amt.