# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S209 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 209 Reformirten, Russischen, Päbstlichen und Wiedertäuferischen Agenden, und endlich drittens eine Uebersicht der Schriften über Kirchenordnungen und Agenden. Denjenigen, welche sich genauer über das Verhältniß der verschie- denen Agenden in den wichtigsten Theilen der Liturgie zu einander zu unter- richten wünschen, empfehlen wir folgendes Werk Herrn Pastor Löhe's: „Sammlung liturgischer Formulare der evangelisch⸗lu- therischen Kirche. Erstes Heft. Taufe, Katechismus- übung und Confirmation, Nördlingen bei Beck, 1839.“ (4. 7½ Bogen. Preis 24 Kr.) Aus Vergleichung von 40 alten Kirchenordnungen entstanden. „Zweites Heft. Beichte. Ebendaselbst 1842.“ (42 Seiten in 4.) „Drittes Heft. Ordnung der Communio oder der evangelischen Messe. Ebendaselbst 1842.“ (68 Seiten in 4. nebst zwei vergleichenden Tabellen.) Zwar liegen schon in diesen Samm- lungen die Keime der Richtung, welche Löhe bis zur Entwerfung einer Litur- gie für einen sogenannten apostolischen Krankenbesuch mit Oelung geführt hat, nichts desto weniger verschaffen diese auf Grund von den umfassendsten Studien gemachten Sammlungen mit ihren Einleitungen, Noten und ver- gleichenden Tabellen eine Einsicht in das, was innerhalb der lutherischen Kirche auf dem Gebiete der Liturgik geleistet worden ist, wie kein anderes Werk dieser Gattung.*) Einem Pfarrer, welcher im Stande ist, etwas mehr auf Vervollständigung seiner Bibliothek zu verwenden, als meistentheils der Fall ist, und welcher die historische Genesis der lutherischen Ceremonien zu erfahren wünscht, empfehlen wir folgendes größere Werk: "Rituale ecclesi- asticum Auctore Caspare Calvoer. Opus historico-didascalico-paedeuticum, Jenae, 1705." Der Verfasser dieses Werkes (geboren 1650 zu Hildesheim, 1677 Diakonus und später Superintendent zu Cellerfeld, gestorben als Pa- stor zu Clausthal und Generalsuperintendent des Fürstenthums Grubenha- gen im Jahre 1725) war ein merkwürdiger Mann. Unionsgedanken hegend indem er die Reformirte Kirche allein für eine schismatische ansah, mit welcher wohl eine Art Gemeinschaft, nur nicht Gemeinschaft der Kanzel, gepflegt wer- den könne, eiferte er dennoch ernstlich gegen Pietismus und Separatismus. Seine Gelehrsamkeit war groß. Außer vielen andern gelehrten Schriften zeugt hiervon auch sein "Rituale ecclesiasticum", welches als ein ausgezeich- netes Werk selbst V. E. Löscher, der sonst gegen Calvör mit Entschiedenheit auftritt, in seinen sogenannten Unschuldigen Nachrichten (Jahrgang 1704, S. 283. 417.) zu rühmen nicht umhin kann. Es zerfällt in zwei Theile, *) Wir müssen freilich gestehen, daß wir mit der Schrift des seligen Höfling: „Von der Compositien der christlichen Gemeindegottesdienste oder von den zusammengesetzten Acten der Communion. Erlangen, 1857," unbekannt geblieben sind. Das sonst sehr in- structive Schriftchen aber: „Vom Evangelisch⸗Lutherischen Hauptgot- tesdienst. Von J. Fr. Wucherer. Nördlingen bei Beck, 1846“ (XII und 76 Seiten in 12.), enthält zugleich eine Vertheidigung der Löhe'schen Agende, die wir nicht durchgängig unterschreiben können.