# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 35 — Sauhirte lieber werden, ehe ich mich wollte überwinden, andere zu lehren und könnte es nicht. „Die hohen Leute haben es nicht gethan, wir haben den heiligen Propheten Jeſaiam, und da ihn Gott zum Predigtamt wollte berufen, ſagt er: HErr, ich bin von unreinen Lippen. Moſes ſagt zum HErrn: Ich habe eine ſchwere Zunge, kann nicht reden, mit den Haaren muß man ſie dazu ziehen, daß ſie reden. Aber jetzt, wenn einer verdorben iſt in allen Handwerken, ſoll er gut zum Pfaffen ſein. Er iſt gut für die Bauern, denen darf man nicht viel Beſonderes predigen, gleich als wenn die Bauern auch nicht Leute wären und ſowohl eine Seele hätten wie der Kaiſer. Es iſt Gott ſo viel an der Seele eines Bauern und eines ärmſten Bettlers gelegen, als an eines großen Herrn. Das iſt nichts. Es geht ſo übel zu, man ſoll ſehen, daß Kirchen mit rechtſchaffenen Leuten verſorgt werden. . . Man muß auch unſern HErrn Gott bitten, daß er ſolche Leute gibt, die ihm zu Ehren dienen; denn wenn er ſtrafen will, ſo gibt er ſolche Lehrer, die der chriſtlichen Kirche großen Schaden thun.“ (Predigt am Trinitatisfeſt: Joh. 3.) Nach dieſem Excurs wurde einerſeits in Bezug auf die vorliegende Theſis endlich die Frage aufgeworfen: Iſt unbedingt ein jeder zeitweilige Beruf als ein nicht göttlicher Beruf anzuſehen? Macht es nicht doch einen Unterſchied, wenn Prediger und Gemeinden dies aus Schwachheit und Unwiſſenheit thun? Iſt alſo das Nicht⸗Zeitweilige ſo etwas Weſentliches, daß, wenn dasſelbe fehlt, die Göttlichkeit des Berufes überhaupt fehlt? Man denke dabei an die früheren Zeiten. Da waren manche wackere Männer auserſehen für ihre armen verlaſſenen Emigranten. Anfangs wollte freilich Keiner zu ihnen nach Amerika gehen. Man ſah es als ein großes Opfer an, wenn ſich ein theologiſcher Candidat dazu entſchloß. Aber die Liebe Chriſti trieb dieſe dazu. So gingen ſie denn nach Amerika, aber ihr Sinn ſtand dahin, nach etlichen Jahren zur Heimath zurückzukehren und dort das Amt zu verwalten. Es geſchah dies auch aus Patriotismus. Sie glaubten ihrem Vaterlande den Dienſt ſchuldig zu ſein. Hier aber, in Amerika, wollten ſich die Gemeinden auch ſichern, damit die Prediger nicht ſo ſchnell wieder fortgingen. Daher wurde denn im Beruf gewöhnlich die Klauſel gemacht: „wenigſtens ſo und ſo viel Jahre.“ Wie iſt das nun anzuſehen? Hierauf wurde nun andererſeits geantwortet: So viel iſt gewiß: Schwachheit und Unwiſſenheit machen einen ungültigen Beruf nicht zu einem gültigen. Es fragt ſich hier: Iſt das Zeitweilige von Gott geordnet? Gott hat ein Amt geſtiftet und will, daß Perſonen dazu ausgeſondert werden, die bis zum letzten Hauch ihres Lebens in dieſem Amte bleiben ſollen, die, wenn der HErr kommt, die unverwelkliche Krone der Ehren empfangen, 1 Petri 5. Sodann iſt es der Gemeinde geboten, den Prediger zu hören und ihm zu gehorchen. Dies alles paßt nicht zu einem zeitweiligen Beruf; da will die Gemeinde beſtimmen, wie lange ſie Gottes Wort von ihrem Pre⸗ diger hören und ihm gehorchen will. Nun iſt die Gemeinde aber nicht in