# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 32 — ſind ſie in demſelben. Sie wiſſen z. B. nicht, welche Leute von ihnen copu⸗ lirt werden können und dürfen, wie ſie die Sacramente zu verwalten, wen ſie zum heiligen Abendmahl nicht zuzulaſſen haben; ſie wiſſen nicht Geſetz und Evangelium zu ſcheiden, nicht, wie ſie in Gewiſſensfällen Rath zu ertheilen haben, und dergleichen mehr. Sie ſind Schandflecken unſerer Kirche und richten in den Gemeinden nur Verwirrung an. Eine Synode, welche ſolche als Diener Chriſti anerkennt, verſündigt ſich, denn dieſe predigen nicht, was zum Heil der Seelen dient, ſondern was ſie für chriſtliche Gedanken haben. Sie ſind nie in einer theologiſchen Schule geweſen, haben nie gehört, wie man eine chriſtliche Gemeinde zu bedienen habe, ſondern ſie ſuchen nur das Amt, um Brod zu haben, und die Gemein⸗ den nehmen ſie an, weil ſie ein paar Stunden auf der Kanzel ſchwätzen können. Häufig begegnen wir Leuten, die es aus Unwiſſenheit nicht be⸗ greifen können, wie ein Paſtor Tage lang über einer Predigt ſitzt, um ſie zu Stande zu bringen. Sie denken: Der hat ja ſtudirt, um Prediger werden zu können, was hat er denn jetzt noch zu ſtudiren? Aber wir lernen nicht auf den Univerſitäten etwa ſchon alle Predigten auswendig, die wir ſpäter in unſerem ganzen Leben zu halten haben, ſondern wir müſſen mit großem Fleiß dieſelben ausarbeiten, um jedesmal dasjenige der Gemeinde zu bieten, was unter ihren Verhältniſſen für ſie am nöthigſten iſt. Ein tüchtiger Pre⸗ diger wird nicht etwa ſeine Predigt Wort für Wort aus einer Poſtille neh⸗ men, obſchon er gute Poſtillen bei Abfaſſung ſeiner Predigt benutzt. Denn je zeitgemäßer dieſelben in der Zeit und unter den Verhältniſſen waren, da ſie gehalten wurden, deſto weniger werden ſie oft gerade unſerer Zeit und un⸗ ſeren Gemeindeverhältniſſen entſprechen. Und doch thun ungebildete Pre⸗ diger tauſendmal beſſer, wenn ſie eine Predigt Luthers Wort für Wort aus⸗ wendig lernen und halten, als daß ſie ihr eigenes Gewäſch der Gemeinde vorbringen. Solche Mißſtände ſind durch die verwahrloſ'ten Zuſtände amerikaniſcher Synoden herbeigeführt worden. Man denkt: Nun, er iſt doch auch ein frommer Mann und wird ja doch etwas Gutes ſtiften, — während ſolche Paſtoren zumeiſt elende Heuchler ſind, die einige Phraſen aus Kanaans Sprache ſich angeeignet haben und die ſie nun anzubringen ſuchen. Das Amt iſt auch denen abzunehmen, die durch das Alter unfähig ge⸗ worden ſind, dasſelbe zu verwalten. In Deutſchland braucht man den ſchönen Ausdruck: ſie werden emeritirt. Doch ſoll man mit einem ſolchen erſt ſelbſt handeln und ihn zu bewegen ſuchen, freiwillig zu reſigniren. Sollte er ſich aber deſſen weigern, ſo hat dann die Gemeinde die heilige Pflicht, ihm das Amt abzunehmen. Nach der Schrift ſoll ein Biſchof tüchtig ſein, die Gemeinde Gottes zu weiden. Fehlt ihm dieſe Tüchtigkeit, ſo hüte er lieber die Schweine; denn hierin kann er noch der Welt nützlich ſein, dagegen nicht im Predigtamte. Der iſt ein Böſewicht, der da weiß, daß er ſein Amt nicht verſteht, und dennoch