# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 26 — könnten ſie auch entlaſſen. Aber es iſt das ein Irrthum. Denn Gott iſt es, der durch die Gemeinde beruft. Daher das Göttliche des Berufes. Vor der Wahl eines Predigers kann wohl die Gemeinde ſagen: den wollen wir, jenen nicht. Der Berufene aber ſteht dann da als Stellvertreter Gottes. Wie thöricht daher, wenn die Leute denken: wie der, welcher etwas ſchaffen könne, auch das Gebildete wieder vernichten könne, ſo könne auch eine Ge⸗ meinde ihren Prediger wieder zu einem Laien machen. Wohl kann ein Mann eine Ehe ſchaffen, indem er ein Weib nimmt, wo er will, aber iſt die Ehe zu Stande gekommen, ſo muß Gott erſt ſein Jawort zur Trennung geben. So auch beim Beruf. In Zwickau war es beſonders der Stadtvogt Mühlpfort, der, wüthend auf Cordatus, die ganze Bürgerſchaft rebelliſch machte, ja, man hatte gedroht, wenn er nicht gehe, ſo wolle man ihn aushungern. Da ſchreibt nun Luther in einem Briefe an Valentin Hausmann in Zwickau alſo: „Das könnet ihr ſelber wohl bedenken, wo ein Gutgeſelle ſein Lebenlang ſtudiret, ſeines Vaters Gut verzehret und alles Unglück gelitten, ſollte zu Zwickau ein Pfarrherr ſein, wie ſie ſich haben hören laſſen: daß ſie ſollten Herren ſein und der Pfarrherr Knecht, der alle Tage auf der Schuckel ſäße; wenn Mühlpfort wollte, ſo bliebe er, wo nicht, ſo müßte er weg — nein, nein, lieber Herr, da ſollt ihr's nicht hinbringen, aber ſollt keinen Pfarrherr behalten. Wir wollen es nicht thun, noch leiden, es ſei denn, daß ſie bekennen, ſie wollen nicht Chriſten ſein. Von Heiden ſollen und wollen wirs leiden, von Chriſten will es Chriſtus ſelber nicht leiden. Wollen die zu Zwickau oder auch ihr ſelber, meine lieben Herrn und Freund, euren Bruder nicht nähren, das möget ihr wohl laſſen. Chriſtus iſt etwas reicher, denn die Welt, ob er ſich wohl arm ſtellt. Es heißt: Esurientes implevit (die Hungrigen füllet Er mit Gütern); dabei laſſen wir es bleiben, und die zu Zwickau es weiter treiben.“ (Brief an Valentin Hausmann in Zwickau 1532, als die Zwickauer, namentlich auf Mühlpfort's, des Stadt⸗ vogts, Betrieb, Cordatus wegen ſeiner Strafpredigt entlaſſen hatten. XXI, 357.) Eine Gemeinde kann ſo wenig zu ihrem Prediger ſagen: wir entlaſſen dich, als ich ein Recht habe, zu meines Nachbars Knecht zu ſagen: Ich ſetze dich ab! Denn der Prediger muß ſagen: Ich bin nicht nur euer Knecht, ſondern auch Gottes Knecht. Beweiſ't ihr mir, daß ich nicht Gottes Knecht bin, dann habt ihr ſogar die Pflicht, mich abzuſetzen. Solcher Gründe für das Abſetzen eines Predigers gibt es drei: 1) wenn er falſch lehrt, 2) ärger⸗ lich lebt und 3) ſein Amt untreu verwaltet. Solche Prediger verwerfen Gottes Wort. Von ihnen ſagt Gott durch den Propheten: „Du ſollſt nicht mein Prediger ſein.“ Und Chriſtus ſpricht: „Sehet euch vor vor den fal⸗ ſchen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber ſind ſie reißende Wölſe.“ Chemnitz ſchreibt darüber in ſeinen Locis alſo: „Auch in unſern