# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S25 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 25 — „Nicht minder iſt dieſer Widerſpruch vorhanden, wenn eine lutheriſche Synode oder ein zuſammengeſetzter Synodalkörper es duldet, daß ein⸗ zelne ſeiner ſich auch lutheriſch nennenden Paſtoren Gemeinden bedienen, die thatſächlich unirt ſind.“ Theſis 11. „Es widerſpricht ferner dem Bekenntniß, wenn die kirchliche Körper⸗ ſchaft es ſich gefallen läßt, daß ihre Paſtoren keinen ordentlichen, ſondern nur einen zeitweiligen Beruf von ihren Gemeinden haben, oder ſie gar ſelber dieſe Unordnung durch das Licenzweſen ſtärkt.“ Wer das Predigtamt verwaltet, ohne einen ordentlichen Beruf zu haben, der iſt kein ordentlicher Paſtor. Wohl verwaltet er das Amt, aber er hat das geordnete Amt nicht. Denn was er thut, das thut auch eine Frau, wenn ſie ein Kind tauft, und ein Kuhhirte, wenn er einen andern abſolvirt. Von ſolchen Paſtoren ſagt Gott durch den Propheten Jeremias im 23. Ka⸗ pitel: „Ich ſandte die Propheten nicht, noch liefen ſie.“ Gott redet hier im Zorn von ihnen: und dennoch, wider meinen Willen, ſind ſie gelaufen. Sodann ſagt Paulus von den Biſchöfen: Chriſtus hat ſie geſetzt, — Gott hat geſetzt in der Gemeinde ꝛc. Wer alſo nicht von Gott in der Gemeinde geſetzt iſt, der iſt kein ordentlicher Prediger. Ein zeitweiliger Be⸗ ruf iſt daher wider die Göttlichkeit desſelben. Denn ein ſolcher Prediger iſt von Menſchen gemiethet und gedungen wie ein Knecht, nicht durch die Ge⸗ meinde von Gott geſetzt, bis es ihm gefällt, den Prediger ihr wieder zu neh⸗ men. Darum greift man einem ſolchen zeitweilig berufenen Prediger auch nicht in's Amt, wenn man in ſeine Gemeinde eingreift, weil er eben das Amt gar nicht hat, obwohl man damit je nach Umſtänden auch nicht recht handeln kann. Es ſoll daher auch keine lutheriſche Synode einen ſolchen zeitweilig berufenen Prediger aufnehmen, denn der zeitweilige Beruf ſteht einmal im Widerſpruch mit dem Gehorſam, den Gott der Gemeinde befiehlt in den Worten Ebräer 13, 17.: „Gehorchet euern Lehrern und folget ihnen, denn ſie wachen über eure Seelen, als die da Rechenſchaft dafür geben ſollen, auf daß ſie es mit Freuden thun und nicht mit Seufzen, denn das iſt euch nicht gut.“ Sobald nämlich ein zeitweilig berufener Paſtor ſeine Gemeinde vor Sünden warnt und ſtraft, dies ihr aber nicht gefällt, ſo kann ſie auf den Beruf hinweiſend ſagen: Deine Zeit iſt jetzt aus. Zeitweiliger Beruf wider⸗ ſpricht ferner auch dem, daß ein Prediger in ſeiner Gemeinde treu ſein ſoll bis in den Tod. Denn ein ſolcher muß ſagen: Ich bin dir nur treu bis zum 1. Januar, dann iſt es aus. Selbſtverſtändlich wird dieſe Treue nicht dadurch verletzt, wenn Gott ſelbſt wegruft. Endlich iſt der zeitweilige Beruf auch wider die Praxis unſerer Kirche aller Zeiten. Im Jahre 1532 wollten die Zwickauer ihren Prediger Cordatus wegen ſeiner Strafpredigten entlaſſen. Sie meinten, könnten ſie berufen, ſo