# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 20 — wenn ſich Heuchler unter uns befänden, wie ſich auch ein Judas unter den Jüngern des HErrn befand. Dies aber dürfen wir doch nicht vorausſetzen. Gerade dieſer Punkt bildet ja den charakteriſtiſchen Unterſchied zwiſchen der Synodalconferenz und anderen ſogenannten lutheriſchen Körperſchaften dieſes Landes. Wir wollen durchaus keine thatſächlich unirten Gemeinden in unſerer Mitte dulden, jene thun es aber. Deswegen ſind eben verſchiedene Synoden unter uns vom General Council ausgetreten, weil man es dort dulden wollte, wir es aber verwarfen. Damit ſoll nun keineswegs aus⸗ geſprochen ſein, daß bei uns etwa alle Gemeinden vom unioniſtiſchen Sauer⸗ teige frei ſeien. Aber darum, weil ſich derſelbe noch in unſern Gemeinden findet, ſind dieſelben keineswegs ſchon unirt, gleichwie eine Kirche nicht darum ſchon Welt iſt, weil in ihr noch manches Weltliche vorkommt. Man nenne daher doch nicht etwas thatſächlich unirt, was es in Wirklichkeit nicht iſt. Es werden ſich mehr oder weniger erkenntnißſchwache Leute auch in unſeren Gemeinden ſtets finden, welche getragen werden müſſen und der Belehrung bedürfen. Es kommt vor allen Dingen bei dieſer Theſe darauf an, zu be⸗ antworten, ob ein rechter lutheriſcher Paſtor eine thatſächlich unirte Gemeinde überhaupt oder ſogar fort und fort bedienen könne. Dies müſſen wir ent⸗ ſchieden verneinen. Sodann kommt es darauf an, ob wir ſolche Gemeinden aufnehmen können in unſern Synodalverband, die da meinen, ſie können unirt bleiben und doch zu einer lutheriſchen Synode gehören. Eine ſolche Gemeinde kann nicht Eine Stunde zu uns gehören. Hier haben wir gar nicht zu fragen, wie lange. Nein, lutheriſch und reformirt ſchließen ſich ein⸗ fach gegenſeitig aus. Hält ſich ein lutheriſcher Prediger in einer Gemeinde ſo, daß dieſelbe denken muß: Ach, dieſe Unterſchiede zwiſchen der lutheriſchen und reformirten Kirche ſind von keinem Belang, ſo iſt ſolcher Paſtor ein ſchändlicher Heuchler. Durch die Anerkennung von Irrthümern gibt man dem Teufel Berechtigung in der Kirche. Wir aber wollen unter Einem Panier ſtehen und ein Pre⸗ diger, der nicht mit aller Union gebrochen hat, kann nicht mit uns in Reihe und Glied ſtehen. Geſtehen wir zu, daß ein lutheriſcher Paſtor eine that⸗ ſächlich unirte Gemeinde bedienen kann, nur dürfe es nicht fort und fort ge⸗ ſchehen, ſo geben wir unſern unioniſtiſchen Gegnern Waffen in die Hand, womit ſie uns angreifen können. In der Schrift heißt es: „Einen ketzeriſchen Menſchen meide!“ (Tit. 3, 10.) „Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen.“ (2 Cor. 6, 14.) „So Jemand zu euch kommt und bringet dieſe Lehre nicht, den nehmet nicht zu Hauſe und grüßet ihn auch nicht.“ (2 Joh. 10.) Hierüber darf kein Menſch hinweg. Gerhard ſchreibt: „Wir können unſeren Kirchen eine dreifache Einigkeit zuſprechen. Die erſte iſt die kanoniſche, vermöge welcher die von uns bekannte Lehre mit den kanoniſchen Schriften des Alten und Neuen Teſtamentes in allem übereinkommt. Die andere iſt die kirchliche, ver⸗ mittelſt welcher nemlich unſere Lehre mit den kirchlichen Schriftſtellern, die