# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 19 — gleich von ihnen ein großes Maß derſelben verlangen. Gerade jener Aus⸗ druck ſchließe in ſich, daß man Schwache mit aller Liebe und Geduld zu tra⸗ gen habe, bis es gelinge, ſie zu beſſerer Erkenntniß zu führen. Und das ſei doch unverwerflich, ja, vielmehr unſere Pflicht. Erſt dann, wenn man aus Bosheit ſich gegen alle Belehrung verſchlöſſe oder einen Paſtor zwingen wollte, den Reformirten das Abendmahl zu reichen, ſei der Zeitpunkt ge⸗ kommen, wo man eine ſolche unirte Gemeinde nicht mehr bedienen könne. Was das Wort: „bedienen“ anbeträfe, ſo begreife dasſelbe doch nicht nur die Spendung des heiligen Abendmahls, ſondern vor allem auch die Predigt göttlichen Wortes in ſich. Wenn man nun auch jenes zu unter⸗ laſſen habe, ſo könne und ſolle man dagegen ſolcher Gemeinde deſto mehr mit der Predigt dienen, um ſo mehr, als ſie es ja bedürfe. Gleichwie auch eine Mutter ihrem kranken Kinde nicht alles zu eſſen gibt, ſondern nur das, was es in ſeinem Zuſtande vertragen kann; wie ſie ihm vor allen Dingen Medi⸗ cin reicht, um ihm zur Geſundheit zu helfen: ſo hätten auch wir ſolcher Ge⸗ meinde das Wort zu reichen, damit ſie im Glauben geſund werde. Das ſei doch ein Bedienen und als ſolches unverwerflich. Es ſolle dies ja nicht fort und fort geſchehen, ſondern nur ſo lange, bis mit Gottes Gnade das erſehnte Ziel erreicht iſt und die Gemeinde ihren bisherigen falſchen Standpunkt ver⸗ läßt oder es offenbar wird, daß ſie aus Bosheit ſich der Wahrheit widerſetzt. So lange dies aber nur aus Schwachheit geſchähe, hätte man ſie zu dulden und ein Paſtor dürfe ſo lange eine ſolche Gemeinde nicht verlaſſen. Darauf wurde entgegnet: Es handelt ſich in unſrer Theſe nicht um das Tragen der Schwachen. Dies ſoll und muß ja nicht nur eine Zeit lang, ſondern immerfort geſchehen. Wir haben es in unſern Gemeinden zumeiſt mit ſolchen zu thun, die ſich über die Bedeutung der Union nicht klar ſind, ſondern denken, ſie ſeien gut lutheriſch. Bewußt unirte Leute werden ſich nie zu uns halten, ſondern ſtets unſere bitterſten Feinde ſein. Wer hier in Ame⸗ rika unirt iſt, der iſt es zumeiſt auch mit Bewußtſein. Es dürfte aber denn⸗ noch einer unſerer lutheriſchen Paſtoren nie zugeben, daß ſeine Gemeinde aus Schwachheit in der Erkenntniß etwa offenbar Reformirte aufnehme. Er würde damit eine Sünde beſtätigen, die man aus Schwachheit thut. Würde er immerhin der Gemeinde ſagen, ſie thue Unrecht, und zu gleicher Zeit ſolche Aufnahme dulden, ſo erklärte er mit der That, ſie habe Recht. Auch das kann nicht für uns in Beantwortung dieſer Frage maßgebend ſein, daß ſich etwa in einer lutheriſchen Gemeinde noch eine große Anzahl unirt geſinnter Leute findet. Wenige Gemeinden werden wohl davon ganz frei ſein, vielleicht keine. Das macht eine Gemeinde nicht unlutheriſch, daß ſich ein Uebelſtand in ihr findet, ſondern daß derſelbe zu Recht beſteht. Es mögen ſolche mangelhafte Gemeinden in unſerer Mitte ſein, aber daß that⸗ ſächlich unirte Gemeinden ſich im Bereich der Synodalconferenz befinden, dagegen müſſen wir proteſtiren. Würde dies geduldet, ſo könnten wir keinen Augenblick in derſelben bleiben. Es wäre dies nur dann möglich,