# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 16 — ſei, eine Kirche zu ſtiften, die ein Babel ſein ſollte. Daß die Welt nicht einig iſt, iſt kein Wunder, denn ſie hat die Wahrheit nicht. Wir Chriſten aber haben die Wahrheit, daher ſollen wir auch einig ſein. Gemeinden mit bunt⸗ ſcheckigem Glauben ſind aber nicht einig. Es iſt daher ſo greulich, wenn die Unirten ſagen: Die Confeſſion iſt Nebenſache, darum ſoll man keinen Zank anfangen; — wenn es nur friedlich bei uns zugeht! Aber o ein ſeliger Zank, der deswegen geführt wird, weil man die Wahrheit feſthalten will. Und o unſeliger Friede, den man auf Koſten der Wahrheit ſchließt. Wenn Jemand dir dein Geld zu entreißen ſuchte, würdeſt du dir das ruhig gefallen laſſen? Würdeſt du ihn nicht nehmen und zum Hauſe hin⸗ auswerfen, daß ihm alle Luſt zum Stehlen verginge? Wem würde es dann wohl einfallen zu ſagen: Schäme dich, mit einem Spitzbuben Streit anzu⸗ fangen? Würde nicht Jeder über ſolche Aeußerung lachen und ſolchem, der ſo redete, ſagen: Du biſt doch rein toll, daß du ſolche Freundlichkeit gegen einen Spitzbuben verlangſt und mich einen liebloſen Menſchen ſchiltſt? Der wollte ſchon gern ruhig ſitzen, wenn der Spitzbube ihn nur ruhig ſitzen ließe. So handelt Jeder und das wird allgemein für Recht angeſehen. Wenn aber Gottes Wahrheit angegriffen wird, dann ſollen wir ſtill zuſehen, weil es ſich nicht um unſer Eigenthum, ſondern nur um Gottes Wort handele, gleich als ob dies weit geringfügiger ſei. Ueber den Zank um das Zeitliche ſollte man ſich wohl betrüben, für den Streit aber für die göttliche Wahrheit ſoll man Gott loben und preiſen. Dieſer Streit darf nicht aufhören. Hört er auf, dann iſt ſchon das Kleinod der Wahrheit verloren. So lange es eine Kirche gibt, welche die Wahrheit hat, ſo lange kämpft auch der Teufel da⸗ gegen und ſucht ſie zu überwältigen, ſo lange müſſen wir uns ihm auch in den Weg ſtellen und ſeine Abſicht zu vereiteln ſuchen. Hierauf wurde die Frage aufgeworfen: Wie ſind die Worte: „Fort und fort“ in der vorliegenden Theſe zu verſtehen? Iſt es hiernach einem luthe⸗ riſchen Paſtor erlaubt, eine Zeit lang eine Ausnahme von der Regel zu machen und eine unirte Gemeinde zu bedienen, oder muß ein Prediger, wel⸗ cher eine ſolche unirte Gemeinde noch von früher her hat, nachdem er ſelbſt zu rechter Erkenntniß gekommen iſt, dieſelbe ſofort verlaſſen, ehe er ſie gründ⸗ lich über ihre falſche Stellung belehrt hat? Der großen Mehrheit in der Conferenz war es ſofort klar, daß der Ausdruck „fort und fort“ nicht nur ſehr mißverſtändlich, ſondern ſogar falſch iſt. Denn ein lutheriſcher Pa⸗ ſtor kann eine thatſächlich unirte Gemeinde keinen Augenblick als ſolche bedienen. Es iſt auch gar kein theologiſcher Ausdruck, denn er läßt unge⸗ wiß, wie lange ſolches Bedienen geſchehen könne. Der Eine würde ſagen: Ein Jahr; ein Anderer, dem dies nicht genug wäre, ſetzte zwei Jahre, ein Dritter fünf, dann zehn oder zwanzig Jahre feſt. Reichte auch das nicht aus, ſo hieße es: fünfzig Jahre. So würde denn immer weiter aufgeſchla⸗ gen und in der That keine Grenze geſetzt ſein, es ſtünde vielmehr in Jeder⸗ manns Urtheil und Belieben, zu beſtimmen, wann dies „fort und fort“ zu