# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 15 — Gegenden, wo keine rein lutheriſche Gemeinde iſt, ſo würden ſie ſich zu irgend einer andern Kirche halten, da man ſich doch einmal zu einer Kirche halten müſſe. Es iſt dies aber eine ſchändliche Untreue. — Fragt man ja doch auch bei der heiligen Taufe zuerſt: Entſagſt du dem Teufel und allen ſeinen Werken und allem ſeinem Weſen? Das geſchieht aus dem ſehr einleuchten⸗ den Grunde, weil man Gott nicht eher zuſagen kann, als bis man dem Teu⸗ fel entſagt hat, unter deſſen Obrigkeit wir alle von Natur ſtehen, bis Gott uns von derſelben losmacht. So iſt es in allen chriſtlichen Lebensverhält⸗ niſſen. Hat Jemand im Irrthum geſteckt, ſo muß er dies auch bekennen und zu gleicher Zeit verſprechen, daß er nicht wieder zu ſeinem Irrthum zurück⸗ kehren wolle. Daß Einer alſo die reine Lehre bekennt, iſt an ſich noch kein genügender Beweis dafür, daß er auch ein echter Lutheraner ſei. Wir leben eben in einer Zeit, wo die Gleichgültigkeit gegen die reine Lehre Ueberhand genommen hat. Ja zu ſagen, iſt man ſehr ſchnell bereit. Aber die Frage iſt die, ob ſich Einer in ſeinem Gewiſſen gebunden achtet, zu ſeinem verlaſſenen Irrthum nicht wieder zurückzukehren. Mancher, der aus der preußiſchen Union kommt, würde bedenklich werden, wenn man ihm die Frage vorlegte: Würden Sie, wenn Sie nach Deutſchland zurückkehrten, ſich lieber verſpotten laſſen, als zur Union zurücktreten? Chriſtus will, daß man ſich der Wahrheit nicht ſchäme, oder er wird ſich unſer am jüngſten Tage auch ſchämen. Daß das Bedienen einer thatſächlich unirten Gemeinde Seitens eines lutheriſchen Paſtors im Widerſpruch mit dem Bekenntniß ſteht, liegt ſchon im Beruf eines Paſtors. Jede Gemeinde verpflichtet doch ihren Paſtor auf ihr Bekenntniß. Wie kann nun eine unirte Gemeinde als ſolche einen lutheriſchen Paſtor berufen, da doch ein ſolcher nicht auf ihrem Bekenntniß⸗ grunde ſteht! Thut ſie es dennoch, ſo betrügt ſie ſich ſelbſt. Es handelt ſich hierbei nicht ſowohl darum, ob Union oder Lutherthum recht ſei, als viel⸗ mehr darum, wie man einen ſolchen Beruf mit ſeiner Stellung vereinen könne. Es findet dabei ein doppelter Betrug ſtatt ſowohl von der Gemeinde, welche glaubt, ein lutheriſcher Paſtor könne einen ſolchen Beruf annehmen, als auch von Seiten des Paſtors, welcher glaubt, einen ſolchen Beruf an⸗ nehmen und eine unirte Gemeinde bedienen zu können. Es iſt hier jedoch nur von einem moraliſchen Können die Rede. Denn ſonſt kann ja jede Ge⸗ meinde, ob unirt oder reformirt, berufen, wen ſie will, und zwar auch einen ſolchen, den ſie nicht haben will. Denn auch der Beruf einer falſchgläubigen Gemeinſchaft kann ein giltiger ſein, um der in ihr befindlichen wahren Chriſten willen. Und nun bedenke man noch: Chriſtus iſt in die Welt gekommen, eine Kirche von Begnadigten zu ſchaffen. Dieſe Kirche ſoll Chriſto Ehre machen, ſie ſoll eine Schaar von ſolchen ſein, welche Eins ſind im Glauben. Eine ſolche Gemeinde aber, welche allerlei Glauben in ihrer Mitte hat, gereicht Chriſto zur ſchrecklichſten Schande, gleich als ob Chriſtus deswegen gekommen