# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 12 — oft. Da heißt es: Man muß nicht ſo ſtarr ſein und es ſo genau mit Got⸗ tes Wort nehmen. Ja, man verſchreit Prediger und Gemeinden, die ſolche gottwidrige Praxis nicht dulden, als hart und lieblos. Aber man bedenke doch: Was kann wohl Schrecklicheres geſagt werden, als dies: Du haſt es zwar geboten, lieber Gott, wir ſollen keine Gemeinſchaft haben mit den Falſchgläubigen, ja, ſie meiden und fliehen, aber wir ſind zu nachſichtig und liebreich dazu, wir erlaſſen ihnen ihre falſche Lehre. Das ſind die ſchänd⸗ lichſten Papiſten, die alſo handeln. Die Gemeinde, die da ſagt: Wir geben die Erlaubniß, von der Lehre des göttlichen Wortes abzugehen, macht ſich zum Pabſt. Man wendet ein: Freilich, die Hauptartikel muß man feſthalten, aber von ſolchen Lehren des Wortes Gottes, die von geringerer Bedeutung ſind, kann man abweichen. Aber es iſt dies, um es durch ein Beiſpiel klar zu machen, als wenn man bei dem 7. Gebot ſagen wollte: Hunderte oder Tau⸗ ſende von Thalern ſoll man allerdings nicht ſtehlen, aber kleinere Summen zu ſtehlen, iſt erlaubt. Ja, man könnte bei allen Sünden ebenſo ſagen: Die groben Sünden muß man meiden, kleinere aber und geringere ſind nicht zu achten. Daß dies verwerflich iſt, wird gewiß Jeder zugeben. Ebenſo verwerf⸗ lich iſt es aber, zu ſagen, man dürfe geringere Stücke der Wahrheit preisgeben. Wer dies thut, der ſtößt, ſo viel an ihm iſt, Chriſtum vom Thron und ſetzt den Teufel darauf, der ein Vater der Lüge iſt. Wie kann nun ein Paſtor eine ſolche Gemeinde bedienen, die alſo that⸗ ſächlich unirt iſt! In manchen alten Agenden ſteht bei Amtshandlungen des Predigers: Ich anſtatt der chriſtlichen Kirche ꝛc. thue oder ſage dies oder das. Dadurch wird die Stellung eines Paſtors zu ſeiner Gemeinde bezeich⸗ net. Er ſoll den Glauben der Gemeinde vertreten. Der Prediger iſt der Mund der Gemeinde. Iſt es nun nicht eine ſchändliche Heuchelei, wenn der Prediger lutheriſch predigt und weiß, daß ſeine Gemeinde anders glaubt, und doch ſie für ſeine Gemeinde ausgibt? Solcher ſteht vor ſeiner Gemeinde, wie vor Türken oder Tamulen, die er erſt bekehren muß. Zwar ſagen afterlutheriſche Prediger, daß ſie gerade deswegen unirte Gemeinden annehmen, um ſie lutheriſch zu machen. Aber das iſt eine Lüge, denn ſie werden aus ihnen nichts anders machen, als was ſie ſelbſt ſind, nämlich Falſchgläubige. Wohl iſt es ja wahr: wie aus Heiden Chriſten werden können, ſo können auch aus Unirten Lutheraner werden, aber das werden jene Prediger nicht bewerkſtelligen. Denn das kann nur durch die reine Predigt des Wortes Gottes geſchehen. Nun aber reichen ſie ſolcher unirten Gemeinde auch das heilige Abendmahl und geben ihr damit das Zeugniß, daß ſie in der Lehre recht ſtehe. Iſt es nicht ſchändlicher Lug und Trug, wenn man durch Reichung des Sacraments mit der That ſagt: Ihr ſteht recht! während man in ſeinem Herzen ſagen muß: Ihr ſteht falſch! So kann unmöglich ein treuer lutheriſcher Prediger handeln. Es iſt ein ſchändlicher Greuel, wenn ich einem ſolchen, der mir geſagt hat, er glaube es nicht, daß im heiligen Abendmahl Chriſti wahrer Leib und