# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 10 — nicht, und iſt eben ſo viel, als Chriſtum verleugnet. Darum bitte ich, die⸗ ſelben wollten ſich ja wohl vorſehen. Wahr iſt's, daß du ja bei Leib und Seel nicht ſollt ſagen: Ich bin Lutheriſch oder Päbſtiſch; denn derſelben iſt keiner für dich geſtorben, noch dein Meiſter, ſondern allein Chriſtus, und ſollt dich (für einen) Chriſten bekennen. Aber wenn du es dafür hälteſt, daß des Luthers Lehre evangeliſch, und des Pabſts unevangeliſch ſei, ſo mußt du den Luther nicht ſo gar hin⸗ werfen, du wirfeſt ſonſt ſeine Lehre auch mit hin, die du doch für Chriſtus Lehre erkenneſt. Sondern alſo mußt du ſagen: Der Luther ſei ein Bube oder Heiliger, da liegt mir nichts an, ſeine Lehre aber iſt nicht ſein, ſondern Chriſtus ſelbſt. Denn du ſieheſt, daß die Tyrannen nicht damit umgehen, daß ſie nur den Luther umbringen; ſondern die Lehre wollen ſie vertilgen, und von der Lehre wegen taſten ſie dich bil⸗ lig an, und fragen dich, ob du lutheriſch ſeieſt. Hie mußt du wahrlich nicht mit Rohrworten reden, ſondern frei Chriſtum bekennen, es hab ihn Luther, Claus oder Georg gepredigt. Die Perſon laſſe fahren, aber die Lehre mußt du bekennen. Alſo ſchreibt auch St. Paulus an Timotheum 2 Tim. 1, 8.: ‚Schäme dich nicht des Zeugniß unſers HErrn, noch mei⸗ ner, der ich um ſeinetwillen gebunden bin.‘ Wenn hie Timotheo genug geweſen wäre, daß er das Evangelium bekennte, hätte ihm Paulus nicht geboten, daß er ſich ſein auch nicht ſchämen ſollte; nicht als der Perſon Pauli, ſondern als der um das Evangelii willen gebunden war. Wo nun Timotheus hätte geſagt: Ich halte es nicht mit Paulo, noch mit Petro, ſondern mit Chriſto, und wußte doch, daß Petrus und Paulus Chriſtum lehreten, hätte er doch Chriſtum ſelbſt damit verleugnet. Denn Chriſtus ſpricht Matth. 10. von denen, die ihn pre⸗ digen: ‚Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; wer euch verachtet, der verachtet mich.‘ Warum das? Darum, daß ſie ſeine Boten (die ſein Wort bringen) alſo halten; darum iſt's gleich, als (ob) er ſelbſt und ſein Wort alſo gehalten würden.“ (Meinung von beider Geſtalt des Sacraments zu nehmen. 1522. Walch B. XX, 136. 137.) Wenn man daher Jemand fragt: Biſt du lutheriſch d. h. ein ſolcher Chriſt, welcher den Glauben für den rechten hält, welchen Gott durch Luther der Chriſtenheit wieder hat verkündigen laſſen? und er würde ſagen: Nein, ich bin es nicht! ſo verleugnet derſelbe damit das Evangelium, die Wahrheit ſelbſt. Es iſt dies ganz dasſelbe, als wenn Einer zu Chriſti Zeiten hätte ſagen wollen: Ich glaube an den Meſſias, — aber er hätte nicht wollen unter die Galiläer gerechnet ſein; ein ſolcher hätte wie Petrus Chriſtum ver⸗ leugnet. Oder wer zu Arius' Zeiten kein Athanaſianer hätte ſein wollen, der hätte damit ebenfalls den athanaſianiſchen Glauben verworfen. Gerade weil daher die Aenderung des unirten Namens Schwierigkeiten macht, iſt dies ein Beweis, daß die Aenderung nothwendig iſt und daß die Schwierig⸗ keiten überwunden werden müſſen. Liegt uns die reine Lehre wirklich am Herzen, ſo werden wir auch die Schwierigkeiten nicht achten.