# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S206 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 206 Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. Prediger, welche meinen, keiner Anleitung zum Katechisiren zu bedürfen, und, weil diese Function an den lieben Kindern vollzogen wird, sie für so leicht wie ein Kinderspiel ansehen. Schon Luther klagt über solche Geister u. A. in der Vorrede zu seinem großen Katechismus. Aber nur der, welcher es am wenigsten versteht, wird das Katechisiren für eine leichte Sache halten, und je armseliger er diese Verrichtung seines Amtes selbst vollzieht, um so weniger wird er eine Ahnung davon haben, von welcher unvergleichlichen Wichtigkeit gute Katechisationen für den wahren Aufbau einer Gemeinde sind. So schreibt der alte Coburgische Generalsuperintendent Joh. Gerh. Meuschen in seinem Bedenken von der Reformation der Akademien und Schulen: „der rechte Methodus catechisandi muß den Theologiae studiosis in dem Collegio catechetico insonderheit beigebracht werden. Denn daran ist fast mehr als an dem Methodo concionandi gelegen. Und kann ich aus eigener Erfahrung zeugen, daß es einem angehenden Prediger schwerer fällt, eine rechtschaffene Catechisation zu verrichten, als eine gute Predigt zu halten; bin auch gänzlich der Meinung, daß durch eine rechtschaffene Catechisation mehr, als durch die schönste Predigt kann ausgerichtet werden, wünschend, daß viele unserer oratorischen und kunstreichen Predigten möchten in Catechisationen verwandelt werden; das würde mehr Attention, mehr Erbauung, mehr Gottseligkeit, und mehr Erkenntniß Gottes in die Leute bringen, als andere alamodische Predigten. Auch hier aber setzt uns die Frage, welche Anweisung zu catechisiren wir für die beste und nützlichste halten, in Verlegenheit. Da die catechetische Disciplin erst nach der Blüthezeit unserer Kirche eine gesonderte und systematische Darstellung erhalten hat, so können wir auch keine bezügliche Schrift nennen, welche, wie viele exegetische, dogmatische und historische Schriftwerke, als Hauptwerk unter allen denselben Gegenstand behandelnden Werken, das jedes andere derselben Gattung gewissermaßen entbehrlich machte, anzusehen wäre. Unter den neuern Anleitungen zum Catechisiren gebührt unstreitig der folgenden der Vorrang vor allen andern: „Catechetik von Lorenz Kraußold. Erlangen, 1843. Verlag von Ferd. Enke.“ 8. Der ausgezeichnete Verfasser, jetzt, wenn wir nicht irren, Consistorialrath in Bayern, war, als er die Schrift schrieb, noch Pfarrer und Bezirksschuleninspector in Fürth. Die Ursache, warum wir uns kaum getrauen, diese Katechetik als diejenige zu bezeichnen, mit welcher jedenfalls jede lutherische Pfarrer⸗Bibliothek ausgestattet sein sollte, ist namentlich erstlich die, für ihren Zweck gewiß überaus nothwendige, vielfache, obgleich allerdings kritische Rücksichtsnahme auf die durch den deutschen Rationalismus gäng und gebe gewordenen falschen Anschauungen, zum andern die darin herrschende, gelehrte und abstracte Behandlungs⸗ und Redeweise, die sich gewiß gerade in der Katechetik am wenigsten Dank erwirbt. Nichts desto weniger ist Kraußold's Katechetik ein aller Empfehlung würdiges Werk. Die Einleitung handelt von dem Begriff und der Eintheilung der Katechetik und giebt eine Geschichte derselben. Die Katechetik selbst zerfällt in zwei Theile. Der Gegenstand des ersten ist der katechetische Stoff, nämlich