# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 05 04_S100 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) die Papiſten in Böhmen einen hohen Grad er⸗ reichten, und unter andern der Erzbiſchof von Prag auf ſeinen Grundbeſitzthümern die luthe⸗ riſchen Unterthanen lange vergeblich durch Ue⸗ berredungen, Gefängnißſtrafen, Gelderpreſſun⸗ gen, Eheverbietungen und andre gewaltſame Mittel zum Uebertritt in die römiſche Kirche zu bewegen geſucht hatte, verſuchte er dies end⸗ lich damit, daß er den Bauern die Viehtrift verbot. Dies wirkte leider! Denn als das Geſchrei des Viehes wegen des Mangels an Fütterung in den Bauerhöfen ſehr groß wurde, entſchloſſen ſich die Armen endlich, den For— derungen des Erzbiſchofs nachzugeben. Doch wurde nun unter ihnen dies eine allgemeine Rede: „Unſere Kühe, Schweine und Ochſen ſind gelehrter, als die Jeſuiten und Pfaffen, denn die haben uns ſchon viele Jahre vorge⸗ predigt und uns damit doch nicht katholiſch machen können, jene aber, unſre Kühe, Schweine und Ochſen haben dies in vier Wochen ausge— richtet.“ (Siehe: Lutheriſche Exulanten-Hiſto⸗ rie von Schröter. S. 117.) Die heil. Schrift. — Laßt uns die ganze Schrift als einen Baum anſehen, der voller Früchte, und in jeder Frucht ein Samen eingeſchloſſen iſt, in dem gleichfalls der Baum ſelbſt und die Früchte deſſelben liegen. Dies iſt der Baum des Lebens, deſſen Blätter die Völker theilen, und deſſen Früchte die Se— ligen ernähren ſollen. J. G. Hamann. „Wer euch hoͤret, der hoͤret mich.“ Lucas 10, 16. Als der fromme König Chriſtian III. von Dänemark zum erſtenmale ſeinem Beichtvater, Magiſter Andreas Marti⸗ nus, beichtete, und dieſer bei der Abſolution ihn anredete: „Allerdurchlauchtigſter, Groß— mächtigſter König, allergnädigſter König und Herr!“ fiel ihm der fromme Monarch liebreich ins Wort: „Magiſter Martinus, was macht ihr? Soll ich euch lehren, wie ihr die Leute in der Beicht von Sünden losſprechen ſollt? — Ich kniee hier nicht als ein König von Däne— mark, ſondern als ein armer Sünder, der durch das theure Verdienſt ſeines HErrn und Heilan— des von ſeinen Sünden los ſein möchte. Dar⸗ um müßt ihr nicht mit mir handeln wie ein Unterthan mit ſeinem Regenten, ſondern als ein Diener Chriſti, an deſſen Stelle ihr hier ſitzet, mit einem Schäflein ſeiner Heerde, als ein Beichtvater mit ſeinem Kinde. Ich heiße hier nicht Allergnädigſter Herr, ſondern ſchlecht⸗ weg Chriſtian!“ — Da Manche über ein ſol— ches Betragen des Königs gegen ſeinen Beicht— vater ihr Befremden äußerten, gab ihnen der fromme Herr die ſchöne Antwort: „Ich bin dieſe Ehre Gott ſchuldig, und gebe ſie ihm gern. Denn ich liege nicht als ein König, ſondern als ein Sünder da, und laſſe mich nicht von einem Menſchen, ſondern von Gott abſolviren.“ 100 Hiezu ſetzt der luth. Theologe Dr. Val. Andreä folgende Worte: Möchten doch dieje⸗ nigen, die ſich „Evangeliſch“ rühmen, lernen, daß wir nicht von der Furcht Gottes, noch von der Zierde des öffentlichen Gottesdienſtes, noch von der Sorgfalt für die Armen, noch von dem Faſten (und der Enthaltung) des Fleiſches, noch von der andächtigen Stellung des Leibes, noch von der Keuſchheit des Eheſtandes, noch von den Uebungen der Tugenden, ſondern nur von der „päbſtlichen Tyrannei“ befreit worden: und daß wer anders thue, zwar die Bande des „Antichriſts“ abgelegt, aber die Feſſeln des „Satans“ angelegt habe. (Dr. Joh. Val. Andreä in Mythologia Christ. Manip. p. 13. f.) Die wahre Kirche gibt nicht nach, capitulirt und feilſcht nicht. Luther ſchreibt: „Weil ſie ſich erbieten nach⸗ zugeben, und desgleichen von uns begehren, zeigen ſie, daß ihnen gleich viel gilt, Gottes Wort und Menſchenlehre. Lieber, Gottes Wort nachzugeben oder ändern, ſteht bei Gott ſelbſt nicht, denn er kann ſich ſelbſt nicht leugnen oder ändern, 2 Tim. 2, 43., und ſein Wort bleibt ewig. Jeſ. 40, 8. Wer es aber ändern oder nachlaſſen ſoll, der muß eine höhere Macht haben, weder Gott ſelbſt hat; denn er auch Moſis Geſetz nicht hätte geändert, wo ers nicht zuvor durch ſein Wort verheißen hätte zu än— dern. Deß unterſtehet ſich auch niemand, denn der Endechriſt, wie Daniel 11, 36., und St. Paul ſagen 2 Theſſ. 2, 4., der ſich über Gott erhebt, nehmlich das Pabſtihum. Was ſoll man nun mit ſolchen Leuten. . handeln, die da mei— nen, Gottes Wort ſei ein Rohr, das der Wind hin und her wehet, Matth. 11, 7., deß ſie mäch— tig ſeien? oder (das ſie vielmehr meinen,) es ſei ein Zahlpfennig, der nach ihrem verdamm— ten Frevel müſſe gelten, darnach ſie ihn (ein Spiel) auf den Linien haben oder legen? .. Die heil. chriſtliche Kirche iſt nicht ein Rohr noch Zahlpfennig. Nein, ſie wanket nicht, und gibt nicht nach .., ſondern ſie iſt, ſpricht St. Paulus 2 Tim. 3, 15.,„ein Pfeiler und Grund— veſte der Wahrheit.“ Sie ſtehet veſte, ſpricht er, iſt eine Grundveſte oder veſter Grund; dazu nicht ein falſcher oder Lügengrund, ſon— dern ein Grund der Wahrheit, leuget und trüget nicht, gehet nicht mit Lügen um. Was aber wanket oder zweifelt, das kann nicht Wahr⸗ heit ſein. Und wozu wäre nütze oder noth eine Kirche Gottes in der Welt, wenn ſſie wollte wanken und ungewiß ſein in ihren Worten, oder alle Tage was nenes ſetzen, jetzt das ge— ben, jetzt das nehmen?“ Mißlicher Grund für die Anrufung der Heiligen. Ein Mann hatte einſt lange verſucht, durch Fürſprache anderer Gehör bei ſeinem Könige zu-finden, aber alle Mittel, die er zur Errei⸗ chung ſeines Zwecks angewendet hatte, waren vergeblich geweſen. Derſelbe Mann fragte einſt ſeinen Biſchof, warum man ſich doch nicht ſogleich in ſeinem Gebet zu Gott zu wenden, ſondern die Heiligen anzurufen pflege. Der Biſchof erklärte: Ob er nicht wüßte, wie es bei großen Herren hergehe? Da müſſe ja auch immer ein vornehmer Gönner eine Fürſprache für die Bittenden einlegen. Der Mann ant⸗ wortete erſchrocken: Hilf Gott, gehts im Him— mel bei Gott auch zu wie bei Hofe unter den armen Menſchen geſchehen! Ich hab's erfahren. Austritt aus der unirten Kirche, und Hoff⸗nung fuͤr das Lutherthum in Preußen. In einer Verſammlung von 300 proteſtan⸗ tiſchen Geiſtlichen, welche am 9. und 10. Fbr. d. J. in Berlin ſtatt gefunden hat, iſt beſchloſ— ſen worden, Seine Majeſtät den König, unter gleichzeitiger Erklärung des Austritts aus der unirten Kirche, allerunter⸗ thänigſt zu bitten, die Union wieder aufzuhe— ben und die lutheriſche Kirche ſo wie ſolche vor der Union beſtanden, wieder her— zuſtellen. (Oder⸗Zeitung.) Das unentbehrlichſte Buch. Wo keine Bibel iſt im Haus, Da ſieht's gar öd' und traurig aus, Da kehrt der böſe Feind gern ein! Da mag der liebe Gott nicht ſein! Drum Menſchenkind, ach Menſchenkind! Daß nicht der Böſe Raum gewinnt, Gib deinen blankſten Thaler aus Und kauf' ein Bibelbuch ins Haus! Schlag's mit dem frühſten Morgen auf! Hab' all dein Sehnen und Sinnen darauf. Fang' drin die A B C Schul' an Und buchſtabir' und lies ſodann, Und lies dich immer mehr hinein, Schlag' auf darin dein Kämmerlein. Und lies dich immer mehr heraus, Mach dir ein wahres Bollwerk draus, Und pflanze ſtill hoch oben drauf Die allerſchönſten Sprüchlein auf! Hell laß ſie flattern, muthig wehn, Als deinen Banner, laß ſie ſehn! Als deinen Schild drücks an dein Herz Und halt dich dran in Freud' und Schmerz. O du mein liebes Menſchenkind! Haſt du noch keins, ſo kauf's geſchwind, Und ging dein letzter Groſchen drauf; Ach eile, flieg' und ſchlag es auf. Lies mit Gebet und ſchlag' es du Nur mit des Sarges Deckel zu! Des Leſens und des Lebens Lauf Beginn' und höre mit ihm auf. Bezahlt: 3. Jahrg. die Herren Paſtor Schulze, Fried. Walz. Neue Adreſſe. Rev. J. C. Schulze, Richmond, Wayne Co., Ind. Gedruckt bei Arthur Olsbauſen. Menſchen, dann iſt's wahrlich aus mit uus