# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S205 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 205 schließt aber das entgegengesetzte Bewußtsein, daß allem, was ich sage und lehre, Irrthümliches und Verkehrtes inne wohnt, keinesweges aus, nur nicht so, als wäre meine Lehre eine trübe Mischung von Wahrheit und Lüge.“ Und nun fragt Hofmann, ob das die Sprache eines Mannes ist, welcher sich auf Grund außerordentlicher Geistesmittheilung für einen Propheten ausgiebt; ob ein Prophet sagen könne, wie Baumgarten sagt, daß er Buße für das Fehlsame und Verkehrte seiner Worte thue? Aber muß man denn bei dem Namen Prophet nothwendig nur an Untrüglichkeit denken? Giebt es nicht nach 1 Cor. 14, 29., 1 Thess. 5, 20. 21. auch Propheten, deren geistlichen Reden Irrthümliches inne wohnt? Die außerordentliche und unvermittelte Geistesmittheilung ist es eben, was den Propheten macht, und die liest aufs deutlichste jeder aus den Stellen heraus, welche Hofmann aus Baumgarten anführt. Wenn Baumgartens Worte noch irgend einen Sinn haben, so ist es der, daß er zwar immer aus dem Geiste, also auch die Wahrheit rede, daß ihm aber Gestalt und Ausdruck der Wahrheit oftmals auf den Lippen mißrathe. Das ändert im Grunde wenig an der Sache. Eben so vergeblich mühet sich Hofmann ab, seinen Schüßling ganz vom Antinomismus zu reinigen. Baumgarten will das Gesetz nur auf Grund der vorangehenden dargebotenen Gnade gelehrt wissen, und nur im Zusammenhange der Heilsgeschichte. Das ist allerdings nicht der alte Antinomismus dem Wortlaute nach, und es ist doch der Sache nach ganz dasselbe, was Luther dem Agricola vorwirft (Erl. Ausg. 32, 9). Es ist unzweideutig Lehre unserer Kirche, daß niemand Gutes empfangen kann, der nicht vorher durch das Gesetz zur Erkenntniß der Sünde und zur Buße gebracht ist. Damit verträgt sich Baumgartens Lehre nicht. Aber wie Hofmann schon bei seinen eigenen Irrthümern die Kunst entwickelt hat, sie so zu stellen und zu drehen, daß der Unterschied von der Wahrheit so wenig als möglich ins Auge fällt, so hat er das auch in seiner Beleuchtung bewiesen. Dennoch will er sich keinesweges zum Vorkämpfer der Lehre Baumgartens aufwerfen, mit der er selbst bekennt, nicht übereinzustimmen. Warum dient er denn der Wahrheit so übel, daß er Baumgartens Irrthümer möglichst zu verdecken und ihn in allen Hauptstücken zu reinigen sucht? Man wird leicht einsehen, daß Hofmann mehr um seinet⸗, als um Baumgartens willen auf den Kampfplatz getreten ist. Es giebt hier alte Scharten auszuwetzen. Mögen nur gewisse andere Scharten seinem Auge nicht entschwinden. Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 2. Haben wir die Homiletik in die erste Reihe der praktischen theologischen Disciplinen im engeren Sinne gestellt, so glauben wir sogleich in die zweite die Katechetik stellen zu müssen. Zwar giebt es leider! manche