# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1875_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 24 — widerſpricht, müßte doch auch Aufhebung der Kirchengemeinſchaft folgen, wurde geantwortet: Der Chiliasmus, den Pfeiffer den ſubtilen nennt, wider⸗ ſpricht dem Bekenntniß nicht. So lange Jemand die Glaubensartikel feſt⸗ ſtehen läßt, z. B. daß der Heiland jeden Tag zum Gericht kommen könne, kann man ſeine Hoffnung wohl als eitel, aber nicht als ketzeriſch anſehen. Vor der Zeit Speners und der Pietiſten unterſchied man (wie auch obiges Citat aus J. Gerhard zeigt) nur zwiſchen dem groben oder epikuräiſchen und dem ſubtilen Chiliasmus, welche beide als ketzeriſch verworfen wurden. Spener's Hoffnung beſſerer Zeiten hat damit keine Aehnlichkeit. Die Ortho⸗ doxen, z. B. ein Neumann, verdammten auch dieſe unter dem Namen Chiliasmus subtilissimus, gingen aber darin zu weit, indem ſie dieſelbe höchſtens als unbegründet hätten verwerfen können, wie Pfeiffer den ſubtilen Chiliasmus zwar als falſch und irrig, aber nicht als ketzeriſch bezeichnet. Es wurde hierbei von Einigen darauf hingewieſen, wie gefährlich nach den Erfahrungen der verſchiedenen Synoden ſchon ſolche Träume des ſub⸗ tilſten Chiliasmus ſeien. Schon die Hoffnung nah bevorſtehender beſſerer Zeiten für die Kirche würde ihren Einfluß auf die Amtswirkſamkeit eines Paſtors haben, wäre der Anfang des Chiliasmus und darum müſſe man ihr entgegentreten. Die Gefahr, die mit ſolcher Hoffnung verknüpft iſt, wurde zwar nicht in Abrede geſtellt, jedoch darauf aufmerkſam gemacht, daß dieſe Theſe nicht davon rede, ſondern vom Chiliasmus, und das Wort „Chiliasmus“ habe einen hiſtoriſchen Sinn. Obwohl nun Manche (wie Neumann) ſchon eine ſolche Hoffnung „Chiliasmus“ genannt haben, ſo iſt's doch eigentlich kein Chiliasmus; denn unter Chiliasmus verſteht man eine ketzeriſche Hoffnungslehre, welche Glaubensartikel umſtößt. So herrlich es nun iſt, wenn wir wie Ein Mann der Irrlehre gegenüberſtehen, ſo dürfen wir doch nicht vergeſſen, daß wir einen Irrthum, der keinen Glaubensartikel antaſtet, nicht wie Ketzerei behandeln können. Denn mit Ernſt entgegen⸗ treten, wie die Theſe ſagt, heißt eben erklären: Du biſt ein Irrlehrer, und wenn du hartnäckig bei deiner Irrlehre verharrſt, mußt du vom Amt. Als eine nichtketzeriſche Hoffnung wurde z. B. angeführt: wenn Jemand unter uns die Hoffnung hegte, daß die Synodalconferenz einſtmals noch alle luthe⸗ riſchen Synoden dieſes Landes verſchlingen würde, ſo würde es uns gewiß nicht einfallen, einem Solchen, wenn er ſonſt alle Glaubensartikel mit uns bekennt, die Kirchengemeinſchaft aufzuſagen. Es wurde nun die Frage geſtellt: Darf man mit einem ſolchen Prediger Kanzelgemeinſchaft pflegen, der wohl ein Glied eines Körpers iſt, darin der Chiliasmus geduldet wird, der aber ſelbſt dieſe Irrlehre verwirft und es auch gegen andere ausſpricht? Darauf wurde geantwortet: Das wäre Unio⸗ niſterei. Nur dann könnte es geſchehen, wenn ein ſolches Glied im Be⸗ kenntnißſtand ſich befindet, d. h. wenn es ſeiner Synode offen erklärte: ich verwerfe dieſe Lehre, weil ich aber nicht billigerweiſe erwarten kann, daß