# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1875_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 22 — Demgemäß wurden in der beſſeren Zeit der lutheriſchen Kirche Prediger, wenn ſie dem Chiliasmus anhingen, abgeſetzt. A. Pfeiffer macht folgende Eintheilung des Chiliasmus, wenn er ſchreibt: „Es hat der Chiliasmus ſeine gewiſſen Stufen, und müſſen wir alſo dieſelben hierbei wohl beobachten und bald anfangs einen vernünftigen Unterſchied machen zwiſchen dem allergröbſten, groben und ſubtilen Chilias⸗ mus. Die allergröbſten Chiliaſten ſind geweſen Cerinthus und die Cerinthianer, welche bei ihrem Chiliasmus den Epikuräismus eingeführt, indem ſie vermeinet, man würde in Chriſti Reiche in Freſſen, Saufen und fleiſchlichen Wollüſten leben; anderer grober Irrthümer, ſo ſie dabei gehabt (als z. B. daß Chriſtus noch nicht auferſtanden und ſodann allererſt aufer⸗ ſtehen werde), zu geſchweigen. Daher Philaſtrius, Epiphanius, Theodore⸗ tus ſie unter die Ketzer gerechnet haben, dafür man ſie auch bis auf den heutigen Tag ohne Widerrede zu halten pflegt. . . . Den ſubtilen Chilias⸗ mus aber nennen wir die Meinung derjenigen, welche zwar dafür halten, die tauſend Jahre Offenb. 20. ſeien noch nicht erfüllt, ſondern es ſtehe die daſelbſt verſprochene Herrlichkeit noch zu erwarten; doch ſo, daß ſie keine ſichtbare Wiederkunft Chriſti zum irdiſchen Reiche, keine perſön⸗ liche Regierung, keine doppelte Auferſtehung u. ſ. w., ſondern nur halcyonia (Stille) und einen friedlichen Zuſtand der Kirche ſtatuiren, dabei die eigentliche Art, ja, auch die Zeit (wie lange es eigentlich währen werde) Gott heimſtellen, wie Laungus, Rallius, Coccejus, Brennius u. A. thun. Solchen Chiliasmus halten wir nun zwar für falſch und irrig, allein, weil dadurch die Grundartikel des chriſtlichen Glaubens nicht ange⸗ taſtet werden, ſo halten wir denſelben, zumal wenn man problematice (als von einer noch nicht ausgemachten Sache) davon handelt und ſeine Mei⸗ nung niemand aufbürdet, für keine Ketzerei. Sondern es wird jetzt die Frage ſein von dem mittleren Chiliasmus, den wir den groben heißen, und diejenigen die groben Chiliaſten, welche denſelben nach ſeinen Principal⸗Umſtänden vertheidigen.“ (Antichiliasmus oder Erzählung und Prüfung des betrüglichen Traumes der ſogenannten Chiliaſten. Lübeck 1691. Seite 111 ff.) In der Verhandlung mit Herrn Paſtor Schieferdecker im Jahre 1857 hat darum auch die Miſſouriſynode ihm ausdrücklich bezeugt, ſie würde ihn nicht ausſchließen, wenn er nichts Anderes feſthielte, als den von Pfeiffer ge⸗ nannten „ſubtilen Chiliasmus“. Aber der Chiliasmus, um deswillen man die Kirchengemeinſchaft aufheben muß, greift Glaubensartikel an, nämlich: 1. von der Kirche (indem er lehrt, daß eine Zeit käme, da der Kampf wider ſie aufhörte und ſie eine ſichtbare würde); 2. von der Auferſtehung der Todten am jüngſten Tage (da nach dem Chiliasmus eine große Auferſtehung aller Heiligen oder aller Märtyrer vor dem jüngſten Tage erfolgen ſoll) 3. von der Wiederkunft Chriſti zum Gericht (weil, wie die Chiliaſten meinen, Chriſtus vorher noch einmal zum tauſendjährigen Reich erſcheinen werde);