# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S204 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 204 Prof. Münkels Urtheil über Baumgartens Vertheidiger. (Aus dem „Verdenschen Zeitblatt“ vom 27. März.) Baumgarten zu Rostock hat einen Anwalt an dem gelehrten, geistreichen und scharfsinnigen Professor zu Erlangen, Dr. v. Hofmann, gefunden. Es war das zu vermuthen. Baumgarten ist in dem Gutachten des Consistoriums wegen seiner Irrlehren in den Artikeln von der Rechtfertigung, von der Genugthuung Christi und von dem tausendjährigen Reiche in Anklagestand versetzt und überdies auf seinen Schleiermacherianismus angesehen. Kann nun Baumgarten deswegen verurtheilt werden, was wird Hofmann schützen, welcher in denselben Stücken Irrlehren vorträgt? Hofmann hat sich zwar Mühe gegeben, seine Lehre so zu drehen, daß sie nur als eine neue Weise erscheinen soll, alte Lehren vorzutragen. Indessen die Ueberzeugung wird wohl ein jeder aus seinen Schutzschriften gewonnen haben, daß durch die neue Weise zu lehren die alte Lehre von dem leidenden Gehorsame Christi zur Vergebung der Sünden (obedientia passiva) einen starken Stoß erhalten hat, durch welchen die Lehre von der Rechtfertigung eben so stark mitbetroffen ist. Von Rostock her erfuhr er den ersten Angriff, den er damals mit übermüthigem Tone erwiederte. Er hat sich nachher mehr gemäßigt, seitdem sich zahlreiche Stimmen lutherischer Theologen und auch seiner eigenen Collegen wider ihn erhoben haben. Doch sieht fortan sein Auge ungern nach Rostock, wo er einst selbst lehrte, und nun ist er allerdings in der Lage, wo er angriffsweise gegen Rostock auftreten muß, wenn er sich nicht in das Urtheil über Baumgarten mit einschließen will. Die Beleuchtung, welche er dem Consistorial⸗Erachten hat angedeihen lassen, ist jedoch nicht überall unbegründet, wie man das von einem so ausgezeichneten Theologen erwarten kann. Sie ergänzt und berichtigt manches, was nur von einer Seite dargestellt war, oder sich nicht halten läßt. Sie wählt auch ihre Angriffsstellung mit großem Geschicke, um die Lehren Baumgarten's möglichst unverfänglich erscheinen zu lassen; und indem sie sich vorsichtig enthält, die eigentliche Lehre des Beklagten ans Licht zu ziehen, weist sie nur so viel nach, daß nach den vorliegenden Aeußerungen desselben kein Grund zur Verurtheilung vorhanden ist. Dies wird denn auch mit dem tiefsten Unwillen am Ende der Beleuchtung ausgesprochen. Die Anwendung liegt nahe: Die Verurtheilung ist ein beliebtes Partei⸗Manöver orthodoxer Ketzerriecherei. Wir können die Beleuchtung der Beleuchtung denen überlassen, welche den nächsten Beruf dazu haben. Nur beispielshalber mögen hier ein paar Bemerkungen stehen. Das Gutachten des Consistoriums hatte die Stellen ausgehoben, worin sich Baumgarten einen höhern Beruf, eine prophetische Weihe beilegt und behauptet, daß jedes Wort seiner Lippen durch den Geist geweiht sei. Hofmann fügt dazu die andern Worte, worin Baumgarten sagt: „Dieses selige Wissen um die Wahrheit, die meiner Lehre inne wohnt,