# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1875_S21 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 21 — lehren nicht, daß erſt durch das Eſſen und Trinken der Leib und das Blut Chriſti im Abendmahl gegenwärtig werde. Wenn wir aber ſagen, daß der Leib Chriſti gegeben werde, alſo ſchon beim Geben gegenwärtig ſei, ſo ver⸗ ſtehen wir ein ſolches Geben, dazu das Nehmen zum Zweck des Eſſens und Trinkens gehört, kurz die ganze Handlung beim heiligen Abendmahl, und bekennen uns zu dem Axiom Melanchthons: Nihil habet rationem sacra- menti extra usum a Deo institutum (Nichts hat die Beſchaffenheit eines Sacraments außer dem von Gott eingeſetzten Gebrauch). Als drittes Stück des Widerſpruchs zwiſchen Bekenntniß und Praxis iſt in der 8ten Theſe genannt, wenn eine lutheriſche kirchliche Körperſchaft „nicht jeder Form des Chiliasmus entſchieden entgegentritt“. Auf die Frage, warum gerade dies einzelne Stück falſcher Lehre in der Theſe genannt ſei, wurde geantwortet: Dieſe Theſen nehmen beſonders auf das General Coun⸗ cil Rückſicht, das den Chiliasmus duldet, ja deſſen Leiter zum Theil Chiliaſten ſind. Weil wir nun mit demſelben keine Kirchengemeinſchaft eingehen konn⸗ ten, ſo war es ein Act der Selbſtvertheidigung, daß wir bezeugten, nicht ſeparatiſtiſche Gelüſte auf unſerer Seite, ſondern das Council in ſeiner un⸗ lutheriſchen Stellung, unter anderm auch zum Chiliasmus, hinderten uns daran. Der Chiliasmus iſt die Lieblingslehre unſerer Zeit, und iſt gar häufig der Bodenſatz, der zurückbleibt, wenn eine kirchliche Gemeinſchaft ſich ſchon von anderen falſchen Lehren gereinigt hat. Es wurden hier folgende Zeugniſſe angeführt: J. E. Gerhard: „In der Augsburgiſchen Confeſſion im 17. Artikel iſt nicht nur der grobe (cras- sus), ſondern überhaupt aller Chiliasmus verworfen und verdammt worden.“ (A. C. enucleata 1734. p. 85.) S. J. Baumgarten: „Die Vertheidiger ſolcher (chiliaſtiſchen Irr⸗ thümer) können keine rechten Bekenner des 17. Artikels der Augsb. Confeſſion ſein. Sie können ſich hierbei weder mit den Ausflüchten eines Unterſchiedes ihres Chiliasmus von den Träumen der Juden und einer vor dem erwarteten Reich Chriſti vorhergehenden Auferſtehung aller Heiligen, oder eines von ihnen nicht behaupteten weltlichen Reiches, mit gänzlichem Aufhören aller Gottloſen, vertheidigen; noch auch mit dem Vorgeben, dergleichen Meinungen nicht auszubreiten.“ (Erläuterungen des chriſtl. Concordienbuchs S. 103.) Joh. Gerhard: „Es iſt offenkundig, daß die Hoffnung und Meinung aller von dieſem tauſendjährigen Reiche nicht ein und dieſelbe ſei. Denn erſtens ſtreiten einige für einen ſubtilen Chiliasmus, der im Frieden der Kirche, in vollkommener Gerechtigkeit, in Ruhe von Anfechtungen, in allgemeiner Annahme des orthodoxen Glaubens ꝛc. beſteht; andere hingegen vertreten einen groben Chiliasmus, der in leiblichen Ergötzlichkeiten und Wollüſten ſich wiegt. . . . Wir halten dafür, daß dem chiliaſtiſchen Wahn, welche Farbe man ihm auch immer anſtreichen und wie man ihn auch immer ſchmücken möge, die Larve abgezogen werden müſſe.“ (Loci theol. de consummat. seculi § 79. 80.)