# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1875_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 10 — allweiſe Gott. In Bezug auf Kirchenordnungen und ⸗Gebräuche dürfen wir nicht beabſichtigen, die Gewiſſen zu binden, ſondern müſſen frei bekennen: Was nicht Gott, ſondern die Kirche geordnet hat, kann abgeſchafft werden. Wohl kann man bei der Abſchaffung ſündigen, aber man ſündigt auch, wenn man dieſe Freiheit abſpricht. Darum bekennt unſere Kirche im zehnten Artikel der Concordienformel, „daß die Gemeine Gottes jedes Ortes und jeder Zeit, derſelben Gelegenheit nach, guten Fug, Gewalt und Macht habe, dieſelben (Mitteldinge) ohne Leichtfertigkeit und Aergerniß ordentlicher und gebührlicher Weiſe zu ändern, zu mindern und zu mehren“. Da bemerkt worden war, daß es gewiſſe kirchliche Handlungen gebe, die nicht ein unmittelbarer Ausdruck und thatſächliche Verwirklichung des Bekenntniſſes ſeien, aber doch dem Bekenntniſſe nicht thätlich widerſprechen dürften: Mitteldinge könnten zwar nie an ſich ſündlich ſein, aber der Ge⸗ brauch derſelben ſei nicht indifferent und dürfe daher nie wider das Bekennt⸗ niß ſein: ſo wurde gefragt, wie der Gebrauch eines Mitteldinges dem Be⸗ kenntniß widerſprechen könne? Antwort: Das ſehen wir z. B. aus den interimiſtiſchen Streitigkeiten. Luther hatte für die chriſtliche Freiheit ge⸗ kämpft und unter anderem die Elevation, Meßgewänder, biſchöfliche Ver⸗ faſſung ꝛc. für freie Mitteldinge erklärt. Aber ſpäter bei der Einführung des Interims behaupteten viele ſogenannte Lutheraner, daß man in dieſen Mitteldingen den Papiſten wohl weichen könne, da es ſich nur um ganz in⸗ differente Sachen handele. Aber die treuen lutheriſchen Väter wollten lieber alles über ſich ergehen laſſen, als in dieſen Stücken den Feinden nachgeben, denn die Papiſten benutzten dieſe Dinge, um ihre falſche Lehre damit zu ver⸗ decken und einzuführen. Die treuen Lutheraner erklärten, daß ſie die Biſchofs⸗ mütze ſehr wohl zu tragen vermöchten, aber ſie wollten nicht unter dem Scheine der Freiheit die Wahrheit des Evangeliums verleugnen; ſie folgten hierin dem Beiſpiel des Apoſtel Paulus, welcher zuerſt die Beſchneidung ge⸗ brauchte, als aber etliche falſche Brüder ihm ſeine Freiheit in Chriſto rauben wollten, da wich er ihnen nicht eine Stunde, damit die Wahrheit des Evan⸗ geliums beſtünde. Dieſelbe Bewandtniß hat es mit den Reformirten. Luther erklärte dem Carlſtadt gegenüber: „Wiewohl ich's vorhatte, das ‚Aufheben‘ auch abzuthun, ſo will ich's doch nun nicht thun zu Trotz und wider, noch eine Weile, dem Schwärmergeiſt, weil er's will verboten und als eine Sünde gehalten und uns von der Freiheit vertrieben haben. Denn ehe ich dem ſeelenmörderiſchen Geiſte wollte ein Haar breit oder einen Augenblick weichen, unſere Freiheit zu laſſen (wie Paulus lehrt Gal. 5, 1.), ich wollte noch morgen ein ſo geſtrenger Mönch werden und alle Klöſterei ſo feſt halten, als ich gethan habe. Es iſt hier kein Scherz mit der chriſtlichen Freiheit, die wollen wir ſo rein und unverſehrt haben, als unſern Glauben, wenn auch ein Engel vom Himmel anders ſagte. Sie hat unſerem lieben, treuen Heiland und HErrn JEſus zu viel geſtanden; ſo iſt ſie uns auch allzunoth, wir mögen ihr bei Verluſt der Seligkeit nicht entrathen.“ (Wider die Sacramentirer. Walch XX, 255.)