# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S201 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Münkel über Prof. Baumgarten's Absetzung. 201 bekommt. Demgemäß muß es sich die ganze heilige Geschichte gefallen lassen, daß sie ein Kampf zwischen Thierheit und Menschheit ist, welcher vorgebildet wird in Kain und Abel. Aber da die menschliche Natur noch immer genug in sich hat, um für diesen Kampf höhere Kräfte entwickeln zu können, so sehen wir eine Reihe von Entwickelungen durch die jüdische Geschichte gehen, welche stufenweise den Sieg über das Thierreich und das endliche Königthum Gottes vorbereiten. Eine solche Hauptentwickelung findet in Jesu statt, dessen Herkommen und Entstehen aus Israel B. eben so erklärt, wie etwa ein Botaniker die Bildung der Frucht in allen Vorstufen des Pflanzenlebens nachweisen würde. Jesus ist in der That nach seinem ganzen Wesen Erzeugniß Israels, ein bloßer Mensch, nur daß er ohne Sünde und ohne Zuthun eines Mannes geboren ist und vollkommen das darstellt, was Israel hätte sein sollen und nicht war, weshalb er auch durch eine vollkommene Geistesmittheilung zu seinem Berufe tüchtig gemacht wurde. Er versuchte es, das Königreich aufzurichten, theils bei der Tempelreinigung, theils bei seinem Einzuge, welche Anfragen an Israel waren, ob ihn das Volk mit dem Schwerte umgürten und auf den irdischen Thron Davids setzen wolle. Das Volk verstand die Anfrage nicht, sondern antwortete mit der Kreuzigung. Es blieb Jesu nichts anderes übrig, nachdem sein Werk fehlgeschlagen war, als sich nach der Auferstehung in die „unsichtbare Tiefe des Himmels zurückzuziehen“ und in völliger Abgeschiedenheit von seiner Gemeinde, welche sich nun selber regieren muß, den fernern Verlauf der Weltgeschichte abzuwarten, bis Israel sich bekehrt, und dann das vereitelte weltliche Königreich aufzurichten. Denn ohne Israel ist das unmöglich. Wir armen Christen aus den Heiden sind seit Israels Abfall übel daran. Es ist in unsern Völkern bis auf die paar gläubigen Seelen alles bodenlos verdorben. Die Staaten zumal sind reine Weltmächte, welche unter der Herrschaft des Thieres stehen und mit der Zeit alle vernichtet werden müssen, um dem Reiche Israels Platz zu machen. Doch auch die Kirche ist nicht viel besser daran. Erstlich ist ihre Verbindung mit dem ungöttlichen Staate vom Uebel, für's andere lassen die Kirchenordnungen, die Symbole, das Amt und das Regiment gar kein rechtes Leben aufkommen. Mit alledem muß vollständig aufgeräumt, es müssen die einzelnen Gläubigen rein auf sich selber gestellt und unter die Macht und Eingebung des in ihnen waltenden heiligen Geistes gestellt werden. „Vor der Gegenwart seines unbeschränkten Willens hat sich jede Theorie und Praxis, wenn auch von noch so geheiligtem Ansehen, zu beugen.“ Denn es ist nicht möglich, Kirchen zu bilden; es können nur einzelne gesammelt und geheiligt werden, bis das Königthum, das tausendjährige Reich, aufgerichtet wird. — Jeder wird leicht einsehen, daß B. der kolossalste Umsturzmann sein würde, wenn er mit seinen Grundsätzen Ernst machte. Denn allerdings hält er sie noch in gewissen Schranken und erklärt die Revolution für den Vorläufer des Antichrists, ohne doch damit jeder Revolution den Stab zu brechen. Wir übergehen die Belege dazu aus den Actenstücken, weil sie nicht weiter noth thun.