# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1874_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 32 — auf, ein Grund zum Anſchluß zu ſein, ſobald andere Schwierigkeiten, die nahe Kirche zu erreichen, in den Weg treten. Dies zu entſcheiden, ſollte aber nie dem Einzelnen allein überlaſſen bleiben, da in der Kirche alles or⸗ dentlich und ehrlich hergehen, jeder Grund zu Anſtoß und Aergerniß, ſowie zu Unfriede und jeder Schein des Eigenſinnes vermieden und alles in Liebe und Einträchtigkeit geordnet werden ſollte. Wichtig iſt aber in der 7ten Theſis auch dieſes, daß auch die Sprache den Ausſchlag gibt, wohin ein Chriſt ſich zu wenden habe. Denn wenn wir von territorialer Abgrenzung reden, ſo iſt da immer nur die Eintheilung der Kirche Einer Sprache gemeint. Der Kirche einer anderen Sprache gilt dann wieder unter ſich dieſelbe Ordnung und ſo fort. Denn es ſoll das chriſtliche Volk in jeder Sprache territorial eingetheilt werden. Steht alſo auch die Sprachgrenze nicht über der territorialen Eintheilung, ſo ſteht ſie doch neben derſelben. Es kann inmitten der Grenzen einer deutſchen Gemeinde eine Gemeinde anderer Zunge gegründet werden, wenn nur beide durchein⸗ ander wohnende Gemeinden wieder von etwaigen Nachbargemeinden gleicher Sprache territorial abgegrenzt ſind. Wenn daher ein Prediger innerhalb der Grenzen einer deutſchen Gemeinde, falls das Bedürfniß dazu vorhanden iſt, eine Gemeinde engliſcher Zunge gründet, und man kann ihm nicht nach⸗ weiſen (es iſt alſo nicht notoriſch), daß er die Sprachgrenze nur zum Vor⸗ wand nimmt, um in die deutſche Gemeinde eindringen zu können, ſo darf ihm niemand das Recht dazu abſprechen, ja, man ſoll ihm vielmehr dazu behülflich und förderlich ſein. Selbſt um bloßer Vermuthung willen, er nehme die Sprache nur zum Vorwand, darf man die Gründung einer eng⸗ liſchen Gemeinde nicht zu hindern ſuchen. Denn die Sprachgrenze kann alle Grenzlinien der Gemeinden einer anderen Sprache wieder durchkreuzen. Territoriale und Sprachgrenze haben nichts mit einander zu thun. Fängt aber z. B. der Prediger engliſcher Zunge an, auch deutſch zu predigen, zu taufen, deutſche Leichenreden zu halten, hält er ſich alſo nicht ſtrict an die engliſche Sprache, ſo wird es offenbar, daß er nicht lauter, ſondern ein Schleicher und Friedensſtörer iſt. Enthält er ſich aber gewiſſenhaft aller Proſelytenmacherei, iſt ſeine Abſicht bei Gründung der engliſchen Gemeinde, nur zu verhüten, daß nicht Diejenigen, die ihre deutſche Sprache verlieren, auch dadurch unſerer lutheriſchen Kirche verloren gehen, ſo iſt das ein herr⸗ liches köſtliches Werk. Die deutſche Gemeinde begeht eine ſchwere Sünde, die dies hindern will, weil ſie fürchtet, ſie möchte einige Glieder verlieren. Hier ſoll ſich auch ein Chriſt, der nur im Engliſchen die Predigt des Wortes Gottes gut verſtehen kann, über ſeinen Anſchluß, anſtatt an die deutſche, an die Gemeinde engliſcher Zunge kein Gewiſſen machen laſſen. Eine deutſche Gemeinde, die ſolche Perſonen zwingen will, ſich ihr anzuſchließen, handelt ſehr grauſam und gewiſſensverletzend. Denn nur ſo viel höre ich Gottes Wort, ſo viel ich davon verſtehe. Und wenn ein Prediger in einer mir un⸗ verſtändlichen oder ſchwer zu verſtehenden Sprache mit Engelzungen redete,