# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1874_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 27 — ihm befohlen ſeien. Wie hat aber hierin der Apoſtel Paulus gehandelt? Er ſchreibt 2 Cor. 10, 15. 16. alſo: „Und rühmen uns nicht über das Ziel in fremder Arbeit und haben Hoffnung, wenn nun euer Glaube in euch ge⸗ wachſen, daß wir, unſerer Regel nach, wollen weiter kommen und das Evangelium auch predigen denen, die jenſeit euch wohnen, und uns nicht rühmen in dem, das mit fremder Regel bereitet iſt.“ Hiermit erklärt der Apoſtel wenigſtens dies, daß er eine beſtimmte Regel für ſein Apoſtelamt habe; wo dieſe Regel nicht ſtatt hatte, da ging er nicht hin. — Wer alſo meint, als ob in dieſer Theſis geſagt ſein ſolle, wenn keine territoriale Ab⸗ grenzung verhanden wäre, ſo ſei Gott die Hand ſo gebunden, daß noth⸗ wendig und unausbleiblich alles in Unordnung gerathen müſſe, der irrt ſich. Von alle dem ſteht nichts in der 5ten Theſis. Denn durch den erſten Beweisgrund wird keineswegs geleugnet, daß Gott alles verhüten könne. Wir wiſſen wohl, es kann ein Menſch Gift trinken, und doch kann ihn Gott am Leben erhalten. Es iſt auch ohne Zweifel nach dem zweiten Grunde kein zwingender Schluß: Jeder Prediger lebt alſo jetzt fortwährend in Sünden. Es iſt ganz falſch, zu ſagen: wer die Ordnung nicht hat und nicht braucht, der ſündigt. Unſere Zuſtände ſind jetzt nur noch ein Kreuz, aber nicht Sünde. Wohl ſind wir durch die Sünde hineingekommen. Aber nun wir darin ſtecken und nicht ſo leicht heraus können, ſo gern wir wollten, dauern wir gleichſam den HErrn, unſern Gott. Aber wollten wir mit Macht dahin wirken, daß dieſe Unordnung bleibe, dann ginge allerdings die Sünde an. Wer die Ordnung verachtet, der ſündigt. Unſere Prediger müſſen daher ſo lange dieſe Zuſtände als ein großes Kreuz tragen, bis Gott uns alles ebnen helfen wird. Wir werden gewiß nun um ſo vorſichtiger ſein, daß wir nicht wider die in Punkt 2 angegebenen Stücke verſtoßen. Da aber ohne Zweifel die Schwierigkeit mit darin lag, daß es ſich ja hier nur um eine menſchliche Ordnung handle, ſo wurde darauf auf⸗ merkſam gemacht, daß es eine ähnliche menſchliche Ordnung ſei, wie die Ordnung des Sonntags. Dieſer iſt auch nicht von Gott, ſondern nur von der Kirche eingeſetzt. Aber wäre er nicht eingeſetzt, würde die Kirche keinen beſtimmten, in gleichen Zwiſchenräumen wiederkehrenden Tag zum Gottes⸗ dienſt verordnet haben, würde es vielmehr z. B. alſo gehalten, daß an irgend einem Tage ſich die Chriſten zum Gottesdienſt verſammelten und dann erſt die nächſte gottesdienſtliche Feier beſtimmten, ſo könnte unmöglich etwas an⸗ deres, als Unordnung, Confuſion und Verwirrung daraus entſtehen. Die Feier des Sonntags iſt offenbar durchaus nöthig, ganz dem Willen Gottes gemäß, und doch immerhin nur eine Ordnung der Kirche. Da nun aber durch keinerlei Verbeſſerungs⸗Vorſchläge die Bedenken und Schwierigkeiten auf der anderen Seite gehoben wurden und da es ſich hier nicht um eine Lehre des göttlichen Wortes handelte, ſondern nur um äußere Einrichtungen und Ordnungen, und da man nicht ſowohl über die aufgeſtellte Theſis, als über die Begründung derſelben ſich nicht vollkommen [Am rechten Rand handſchriftliche Bleiſtift⸗Randbemerkungen, großenteils unleſerlich: neben „Evangelium auch predigen …“ etwa „beſtimmte Regel“ [?]; neben „Aber wollten wir mit Macht dahin wirken …“ eine unleſerliche Notiz; neben „Da aber ohne Zweifel die Schwierigkeit …“ etwa „Erkl. Sonntagsfeier“ [?]. Im Druck handſchriftlich unterſtrichen: „Wer die Ordnung verachtet“.]