# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1874_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 26 — kann, wo es nicht ausgeführt werden kann, dies nie gewiſſensbeſchwerend ſein. Denn in unſeren Verhältniſſen ſolches gleich durchführen zu wollen, iſt gerade wider die Liebe, wie Luther ſo ſchön ſagt: ſobald die Ordnung Scha⸗ den bringt, ſo iſt ſie Unordnung. Sind wir doch auch keine Herren über unſere Gemeinden. Ja, ſelbſt Gemeinden können nicht immer der Wahrheit nach etwas beſchließen und ausführen, ohne dadurch wider die Liebe zu han⸗ deln. So wahr, ſo unumſtößlich wahr und durch die Erfahrung beſtätigt es daher auch iſt: „Wenn keine territoriale Abgrenzung beſteht, ſo kann nichts anderes, als Unordnung, Confuſion und Verwirrung entſtehen“, ſo iſt es doch auch wahr: Die Ausführung dieſer Ordnung hängt von Zeit und Umſtänden ab. Gottes Wille iſt vor allen Dingen, daß alle Menſchen ſelig werden und daß darum die Schwachen getragen werden ſollen. Darum iſt nicht alles gleich durchzuführen. Man ſoll dann von zwei Uebeln das kleinere wählen. Vor allen Dingen aber iſt bei dieſer Theſis das wohl in's Auge zu faſſen, daß ſie die Regel iſt. Wenn man nun eine Regel abſolut aufſtellt, ſo ſtellt man dabei doch nicht in Abrede, daß Ausnahmen vorkommen können. Wir wollen keineswegs leugnen, daß Gott viel Gutes thun kann durch ſeine Gnade, aber das thut er nicht durch die Unordnung, ſondern trotz der Unordnung. Die Regel iſt und bleibt doch richtig. Wer die Ordnung, welche die Apoſtel, ja die ganze Kirche nach ihnen eingehalten hat, über⸗ haupt umſtößt, der führt nothwendig Unordnung herbei. Es wird hier ganz allgemein geredet und dürfen daher auch die Worte in den vier Punkten nicht anders lauten, ſoll anders das hier Geſagte nicht ganz und gar ab⸗ geſchwächt ſein. Man bedenke alſo, daß hier von der Verfaſſung der ganzen Kirche in aller Welt ganz im Allgemeinen geredet wird und nicht von ein⸗ zelnen Gemeinden und Perſonen. Das iſt die Frage: Ob nicht jedermann bekennen müſſe, wenn in der ganzen Welt zu keiner Zeit die chriſtliche Kirche territorial abgegrenzt geweſen wäre und noch heute nicht, ob dann das in den vier Punkten Geſagte ausgeführt werden könnte? Jedermann wird ſagen: Gewißlich nicht! Ein Prediger könnte dann wohl etliche Seelen, die ihm befohlen ſind, kennen und überwachen, aber unmöglich alle. Denn auch neu hinzuziehende getaufte Chriſten ſchickt ihm Gott zu, daß er ſich ihrer annehme; er ſoll und darf ſie nicht als Heiden anſehen und laufen laſſen. Sein Beruf iſt nicht auf eine Anzahl Köpfe geſetzt, ſonſt wäre mit dem Tode aller der Perſonen, die ihn berufen haben, auch ſein Beruf erloſchen. Nein, er ſoll ſagen: An dieſen Platz hat mich Gott berufen; wer hier wohnt, iſt meiner Pflege befohlen. Kommt mir hier ein anderer Prediger herein, ſo iſt er ein Schleicher. — Nun frage ſich einmal Jeder, ob das hier in unſeren Verhältniſſen möglich iſt! Wohnen zwei Prediger mit ihren Gemeinden zu⸗ ſammen, wie ſoll jeder dem entgehen, daß er dem anderen nicht in's Gehege komme und Abbruch thue? Seine Chriſtenpflicht ſchon lehrt ihn, ſich der Seelen anzunehmen. Aber er weiß nicht, was er thun ſoll, welche Seelen [Am linken Rand drei handſchriftliche Bleiſtift⸗Randbemerkungen, großenteils unleſerlich: neben „nichts anderes, als Unordnung …“ etwa „wozu?“ [?]; neben „Wenn man nun eine Regel abſolut aufſtellt …“ zwei ſchräge Zeilen, etwa „Ausnahmen“ und „von Regel“ [?]; ferner ein ſenkrechter Bleiſtiftſtrich neben „Nein, er ſoll ſagen …“ mit unleſerlicher Randnotiz.]