# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S199 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 199 Münkel über Prof. Baumgarten's Absetzung. (Aus dem „Verdenschen Zeitblatte“ vom 13. März.) Mecklenburg: Amtsentsetzung des Professors Baumgarten. Professor Baumgarten, einer der aus Schleswig vertriebenen Geistlichen, fand in Rostock ein Unterkommen und sammelte sich bald unter den Studirenden durch seine Vorlesungen einen ziemlichen Anhang, da er es verstand, seine Zuhörer anzuregen und zu fesseln. In weitern Kreisen ist er besonders durch seine Apostelgeschichte rühmlich bekannt geworden. Um so auffallender sind denen, welche die weitere Entwickelung dieses Mannes nicht kennen, die jüngsten Schritte gegen ihn gewesen, wozu sich das mecklenburgische Regiment genöthigt gesehen hat. Der erste dieser Schritte war, daß Baumgarten durch ein großherzogliches Rescript vom 1. Nov. 1856 seiner Stelle in der Prüfungscommission für die angehenden Theologen enthoben wurde. Wie gerechtfertigt der Schritt war, hat Baumgarten in seiner Vertheidigungsschrift gezeigt. Er hatte einem Examinanden zur Erörterung das Thema über die Königin Athalja gegeben und zu den Prüfungsacten erklärt, „daß es mit dem Thema noch auf weiteres abgesehen ist, nämlich auf Gewinnung einer Schriftlehre über die Berechtigung einer gewaltsamen Revolution.“ Man hoffte zunächst noch, daß Baumgarten von diesem mindestens gesagt sehr zweideutigen und gefährlichen Treiben umkehren würde, erkannte aber nach Erscheinen seiner Schutzschrift, daß Baumgarten noch ernstere Maßregeln nöthig machen würde. Im April 1857 erließ das Ministerium ein Rescript an das Consistorium in Rostock, mit dem Auftrage, die Lehre des Professors Baumgarten nach seinen veröffentlichten Schriften zu untersuchen, da derselbe bei seiner Amtsübernahme eidlich gelobt habe, den symbolischen Büchern und der Kirchenordnung gemäß, ohne einige Neuerung, zu lehren. Das Consistorium entledigte sich seines Auftrages im September 1857 und reichte eine umfassende Schrift ein, unterzeichnet von Wiggers, Krabbe und Meyer, welche seitdem in der Stiller'schen Buchhandlung zu Schwerin (unter dem Titel: Actenstücke u. s. w.) erschienen ist. Wer die Baumgartenschen Schriften, namentlich die „Nachtgesichte des Propheten Sacharja,“ kennt, wird wissen, daß es keine kleine Arbeit ist, sich durch den Schwulst der hohen Worte durchzuschlagen und festen Fuß zu fassen, wo die glitzernden Wellen geistreicher Ergüsse ihr neckisches Spiel treiben. Um so anerkennenswerther ist die große Vorsicht und Behutsamkeit des Gutachtens, das sich in der Hauptsache seiner Aufgabe genügend entledigt hat und feste Anhaltspunkte für die Beurtheilung der Lehre Baumgartens giebt. Professor Baumgarten bekennt in seiner „Protestantischen Warnung,“ „eine unvergeßliche Stunde gehabt zu haben, deren Finsterniß und Schrecken zu beschreiben er nicht einmal einen Versuch machen dürfe.“ Man wird versucht, hierbei an das zu denken, was man gewöhnlich einen Bußkampf nennt.