# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1874_S23 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 23 — Es iſt daher doch nicht ganz richtig, wenn geſagt wurde, daß ohne terri⸗ toriale Abgrenzung ein Prediger auch wiſſen könne, welche Seelen ihm be⸗ fohlen ſind. Man denke nur an die immer neu Hinzukommenden aus Europa und aus anderen hieſigen Gemeinden und Staaten Ueberſiedelnden. Soll zu ſolchen ein Prediger nicht ſagen können: Lieber Freund, du wohnſt in meiner Parochie, du gehörſt alſo auch zu mir, denn hier hat mir der liebe Gott alle Seelen anvertraut; willſt du nun ein rechtſchaffener Lutheraner ſein, ſo kannſt du nicht hinüber in meines Amtsnachbars Parochie laufen, ſondern mußt mich für deinen dir von Gott geſetzten Seelſorger anſehen? Nach der gegentheiligen Theorie müßte man ſagen: Nun, ſuche dir unter uns den Prediger aus nach deinem Geſchmack. Dieſe Conſequenz würden wir aber gewiß nicht ziehen wollen. Alſo iſt die Theorie auch nicht richtig. Denn ſobald ich merke, es folgt aus meiner Behauptung durch richtigen Schluß etwas, das ich verwerfen muß, ſo kann ich meine Behauptung auch nicht mehr halten. Wir würden auch ferner durch Sanctionirung unſerer gegenwärtigen, allgemein eingeſtandenermaßen nicht gutgeordneten Nachbarſchaft die Leute gerade dazu erziehen, ſich darnach zu richten, welcher Prediger ihnen gefällt. Durch territoriale Abgrenzung aber erklären wir: Hier, dieſer Mann iſt dir von Gott zum Seelſorger geſetzt. Mag er nun auch das reine Evangelium von der Kanzel nur ſtotternd ſtammeln, ſind auch ſeine Predigten nicht ſo ſchön geordnet, redet er auch nicht ſo geiſtreich, nicht in einer ſo ſchönen Sprache, als der Amtsnachbar — deſſen ſei gewiß: gerade dieſer Mann ſoll dich nach Gottes Willen gen Himmel führen. Denn Gott hat ihn dir ge⸗ ſetzt, und Gott iſt kein Verſucher zum Böſen. Glaube ja nicht, dort drüben in der anderen Parochie empfängſt du mehr Segen. Da haſt du den meiſten Segen, wo du wohnſt, vorausgeſetzt, daß da ein Prediger des reinen Evan⸗ geliums ſteht. Und haſt du wirklich mehr Erkenntniß, als dieſer dein Pre⸗ diger, ſo ſollſt du wiſſen, du biſt von Gott dazu beſtimmt, dieſes Mannes Säule und Stütze zu ſein. Und iſt es nach dem vierten Beweisgrund nicht Thatſache, daß durch Mangel einer die Gemeinde einſchließenden Grenzlinie die heilſame, von Gottes Ehre und dem Heil der Schwach⸗ und Ungläubigen geforderte Zucht, wo nicht unmöglich gemacht, doch vielfach gehindert und erſchwert wird? Iſt das nicht ſchon oft vorgekommen, auch da vorgekommen, wo ein rechſchaffener Prediger ſtand? Solche Thatſachen laſſen ſich nicht wegdisputiren. Wer daher die Theſis anerkennt, der kann ſich auch von den vier Beweisgründen nicht wohl losſagen. Man frage ſich doch einmal: Wäre es nicht ein halbes Himmelreich, wenn, falls es möglich wäre, wir heute oder morgen könnten gut geordnet und territorial abgegrenzt ſein, ſo daß jeder Prediger wüßte: das iſt mein Sprengel ganz allein, und alle Gemeinden ſagten: hier gehören wir hin? Würden wir uns da nicht hoch freuen? Und auf der anderen Seite frage ſich der Chriſt, der ſich nicht in terri⸗ [Am rechten Rand ſenkrechte Bleiſtiftſtriche neben mehreren Zeilen; im Druck ſind „Parochie empfängſt du mehr Segen“ handſchriftlich unterſtrichen.]