# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1874_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 22 — In der vorliegenden Theſis wird gar nicht behauptet, daß dieſe menſch⸗ liche Einrichtung und Ordnung alle die herrlichen Dinge wirke, welche in den vier Gründen angegeben ſind. Es wäre ja gottlos, ſolches von einer menſchlichen Ordnung zu behaupten. Die Ordnung kann nichts im Herzen wirken. Das bloße Daſein der Ordnung hilft alſo gar nichts, wenn nicht Gottes Wort in den Herzen wirkt. Iſt es erſt dahin gekommen, daß Gottes Wort nicht mehr die Chriſten regiert, ſo wäre es vergeblich, ſolche äußerliche menſchliche Einrichtung noch halten wollen. Denn dann iſt es überhaupt einerlei, ob wir in Ordnung oder Unordnung zur Hölle fahren. Es wird daher keineswegs hier behauptet, daß aus der Befolgung dieſes apoſtoliſchen Vorbildes nur Heil entſpringen könne. Den Schluß könnte man nur dann ziehen, wenn daſtünde: iſt dieſe apoſtoliſche Ordnung da, dann geht 1. 2. 3. 4. in Erfüllung. Es heißt aber hier nur, wenn ſie nicht da iſt, wenn ſie mangelt, dann hat es dieſe und jene üblen Folgen. Der Be⸗ weis iſt hier ein negativer. Was der Mangel dieſer Ordnung wirkt, das wird hier feſtgeſtellt. Denn es ſind doch zwei verſchiedene Dinge, zu ſagen: eine Ordnung ſoll helfen, daß in der Gemeinde alles recht ſteht — oder: dieſe oder jene Unordnung tritt dem Wirken Gottes in der Gemeinde hinder⸗ lich in den Weg. Nur das Letztere wird hier behauptet. Dieſe apoſtoliſche Ordnung ſoll nicht das Mittel ſein, wodurch Gott ſeinen Segen über die Gemeinde ausſchüttet, ſondern nur ein Geleiſe. Das Geleiſe treibt keinen Dampfwagen. Das thut nur der Dampf. Das Geleiſe hilft nur, daß der Wagen durch den Dampf bequemer fortgeführt werden kann. So helfen auch apoſtoliſche oder kirchliche Ordnungen gar ſehr, daß das, was an Gnade Gott der Kirche verleiht, auch recht verwandt werden kann. Wenn daher jemand alſo argumentirte: das Wort Gottes muß allein alles thun; je lebendigere Chriſten dadurch geſchaffen werden, deſto weniger braucht man Ordnung; — ein Solcher würde zu viel beweiſen. Denn dar⸗ aus muß folgen: alſo braucht man überhaupt gar keine Ordnung, man laſſe nur den Geiſt walten. Obiger Schluß iſt eben deswegen unrichtig, weil ja ſolche Ordnung nicht für den Geiſt, ſondern für das Fleiſch gemacht wird. Und das Fleiſch haben noch alle Chriſten, auch wir, ja, es kann jeden Tag mächtiger werden. Sprichſt du: ja, wenn aber der Geiſt entflohen iſt, wenn das Wort Gottes nicht mehr kräftig in den Herzen wirket, ſo werden die Leute dieſe Ordnung doch durchbrechen; — ſo beweiſeſt du hiermit gerade die Nothwendigkeit dieſer apoſtoliſchen Eintheilung. Denn das iſt gewiß: wo kein rechtſchaffenes Chriſtenthum iſt, da will Jeder thun, was ihm recht däucht. Machen wir nun keine Ordnung unter uns, ſo provociren wir ſolche böſe Geiſter. Iſt keine territoriale Abgrenzung, ſo wird ein heuchle⸗ riſcher Prediger einen Mann, der in eine andere Parochie gehört, an ſich zu ziehen verſuchen, und zwar unter dem Schein, daß er recht daran thue. Iſt aber die Ordnung gemacht, ſo wird er ſich ſchon mehr vorſehen. Dieſe Ord⸗ nung zügelt alſo den Heuchler. [Am linken Rand ſenkrechte Bleiſtiftſtriche neben den Zeilen „Machen wir nun keine Ordnung unter uns …“ bis „… Dieſe Ordnung zügelt alſo den Heuchler.“]