# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1874_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 19 — das nicht auf Rechnung der Unordnung oder unordentlichen Ordnung zu ſchreiben, ſondern Gott hat nach ſeiner Gnade ſeinen Segen uns reichlich mitgetheilt, die traurigen Folgen derſelben abzuwenden. Uebrigens, iſt es denn wirklich bei uns immer nur gut gegangen? Haben wir nicht erfahren müſſen, daß hie und da, gerade weil keine terri⸗ toriale Abgrenzung vorhanden war, üble Reibungen entſtanden ſind? Iſt das nicht gerade noch das Einzige, das uns ernſtliche Schwierigkeiten be⸗ reitet? Im Glauben ſind wir von Herzen einig, durch die Liebe ſind wir mit einander verbunden; alle Bedingungen zu einem brüderlichen Zuſammen⸗ leben ſind vorhanden: und doch ſind noch ſo mancherlei traurige nachbar⸗ liche Zuſtände da um dieſer nicht gut geordneten Nachbarſchaft willen! Und wenn man wirklich nicht gleich ſehen könnte, was für böſe Früchte unſere Zuſtände tragen, ſo wäre das noch immer kein Beweis gegen terri⸗ toriale Abgrenzung. Ein Uebel nimmt oft einen kleinen Anfang und wirkt in der Stille und geheim fort, bis es einmal plötzlich mächtig hervorbricht. Jeder bedenke auch, wie unſere Zuſtände herbeigeführt worden ſind. Weil wir früher einander gegenüberſtanden, im Glauben nicht einig waren, darum gründete jede Synode im Gebiete der anderen neue Gemeinden. Wäre uns das wohl eingefallen, wenn wir von vornherein im Glauben einig ge⸗ weſen wären? Wir würden gewiß nie nach einer anderen Ordnung, als nach territorialer Abgrenzung, gehandelt haben. Ganz etwas anderes iſt es, wenn die Gemeinden verſchiedene Sprachen haben. Denn die Sprache iſt eine viel gewaltigere Grenze, als ein Territorium. Uebrigens ſoll niemand etwa meinen, wenn er hier zugibt und überzeugt wird, daß geographiſche Abgrenzung der allein normale Zuſtand ſei, daß dann Jeder, wenn er nach Hauſe kommt, ohne weiteres das auch ſtreng durchführen müſſe. Gott behüte uns vor ſolchem Uebertreiben! Da laßt uns ruhig zuſehen, wie der liebe Gott alles orduen und aus einander wickeln wird. Wir ſollten aber jeden⸗ falls im Princip einig ſein, damit wir nicht auf ein verkehrtes Ziel los⸗ ſteuern. Wer freilich auf Grund dieſer Lehre wider die Liebe gewaltſam durchfahren wollte und, wenn er nach Hauſe kommt, ſogleich eine Linie ziehen wollte, darum unbekümmert, ob er den Kirchenfrieden dadurch ſtöre, ein Solcher wäre entweder ein nichtswürdiger Menſch, oder ein unbedachtſamer Brauſekopf, der ſich die Hörner erſt ablaufen müßte. Mit einer ſolchen Art Carlſtadt müſſen wir ſtreng verfahren. Es wurde nun zwar einſtimmig der Grundſatz der Theſis zugegeben. Jeder erkannte an, daß nach dem Vorbilde der Apoſtel territoriale Abgrenzung die beſte Einrichtung, der rechte normale Zuſtand ſei. Ja, es wurde allge⸗ mein gewünſcht, daß doch ſolche Einrichtung unter uns ſchon beſtünde oder doch, wenn es möglich wäre, bald eingeführt werden könnte. Aber daß gerade die vier zur Theſis hinzugefügten Beweisgründe ſolches erhärteten, konnte nicht allerſeits zugegeben werden. Denn ſehe man ſich die vier Gründe an, ſo habe es den Schein, als ob man dieſe Eintheilung nicht [Am rechten Rand ſenkrechte Bleiſtiftſtriche neben den Zeilen „mit einander verbunden; …“ bis „… plötzlich mächtig hervorbricht.“ und eine Klammer neben „Es wurde nun zwar einſtimmig …“ bis „… bald eingeführt werden könnte.“ mit einem handſchriftlichen Randwort, unleſerlich und am Rand abgeſchnitten.]