# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S198 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 198 Martin Chemnitz über die letzte Oelung. merkenswerth, daß die Handlung der apostolischen Oelung ohne die Gabe gesund zu machen zuerst von den Ketzern auf die Sterbenden übertragen worden ist, in der Meinung, daß die Sterbenden bei ihrem Abscheiden durch diese Oelung erlöst werden. Es ist dies aber zu Irenäus Zeit unter die Ketzereien gerechnet worden. Dionysius gießt, Cap. 7. seiner Hierarchie, Oel über den Todten, der eben begraben werden soll, was geradezu aus heidnischer Sitte genommen war, wie Virgil sagt: Sie waschen und salben des Erstarrten Leib*). Und bekannt ist Ennius' Vers: Das gute Weib wusch und salbete Tarquinius Leib**). Apulejus nennt dies das letzte Bad. Dieses Geschichtliche ist darum zu beachten, damit man sehe, daß zeitig allerlei Abergläubisches in Betreff der Salbung von Sterbenden und Todten sich in die Kirche eingeschlichen hat. Aber zu Irenäus' Zeit wurden solche Salbungen als Ketzereien verworfen. Nützlich ist es auch, zu beobachten, wie es endlich zur letzten Oelung der Päbstischen für die Verscheidenden gekommen ist. So lange in der Kirche die Gabe gesund zu machen sich befand, blieb auch der Gebrauch der Salbung mit bloßem Oel. Hernach verrichteten Einige Wunderheilungen durch geweihtes Oel, wie Ruffinus in seiner Kirchengeschichte B. 11. Cap. 4. von den Schülern des Antonius schreibt: Als ihnen ein Mensch gebracht wurde, der schon seit langem an allen Gliedern und namentlich an den Füßen gelähmt war, so salbten sie ihn mit Oel im Namen des HErrn, und alsobald waren seine Füße gefestigt. Sulpicius Severus schreibt: Cap. 16., daß der heilige Martin ein Mädchen, welches durch Schlag so gelähmt war, daß sie zu allen leiblichen Verrichtungen untauglich war, durch geweihtes Oel wieder gesund gemacht habe. Socrates schreibt in der Tripartita B. 8. Cap. 1., daß der Mönch Benjamin die Gabe gehabt habe, durch bloße Berührung mit der Hand oder mit Oel Krankheiten zu heilen. Als aber auf die Anwendung von geweihtem Oel keine Wunderheilungen mehr erfolgten, so setzte Felix IV. um das Jahr des HErrn 528, damit es nicht außer Gebrauch käme, es ein, daß man die Kranken vor dem Verscheiden mit Oel salben solle. Hernach ist im Verlauf der Zeit immer eines und das andere hinzugethan worden, bis endlich jenes päpstliche Sacrament mit aller seiner Zurüstung daraus gemacht worden ist, was nun, als von Christo angedeutet und von dem Apostel Jakobus bekannt gemacht, für so groß und wichtig ausgegeben wird, daß man behauptet, es könne ohne ein schweres Verbrechen und ohne schwere Beleidigung des hl. Geistes nicht verachtet werden.“ (Exam. Decretor. Concil. Tridentini Part. II. Loc.12. fol. 561, — 571.) *) Corpusque lavant frigentis et ungunt. Aen. 6, 219. **) Tarquini corpus bona femina lavit et unxit.