# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1874_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 10 — ſequenzen annehmen. Ja noch weiter müſſen wir gehen. Wenn nämlich eine Lehre in der Augsburgiſchen Confeſſion gar nicht enthalten, dagegen aus der heiligen Schrift klar zu beweiſen iſt, ſo müſſen wir dieſelbe ebenſo glauben, als eine andere, in der Augsburgiſchen Confeſſion aus⸗ drücklich benannte. Denn wir wären ja eine offenbare Secte, ja, die ſchänd⸗ lichſte Kirchengemeinſchaft, wenn wir nicht mehr glauben wollten, als was in der Augsburgiſchen Confeſſion ausdrücklich bekannt und mit Namen be⸗ nannt wird. Was in den Symbolen ſteht, das nehmen wir ja nur deshalb an, weil es in der Schrift ſteht; was aber in der Schrift ſteht, das nehmen wir eo ipso (an und für ſich) an. Und iſt es ſchon damals geſchehen, daß ſich Adiaphoriſten, Synkretiſten, Synergiſten u. ſ. w. zur Augsburgiſchen Confeſſion, welche ja gar nicht ein Verzeichniß aller zur Seligkeit nöthigen Lehren ſein will, bekannten, dieſelbe annahmen und beſchworen, und doch ihre Irrlehren feſthielten, ſo dürfen wir uns nicht wundern, wenn dies auch jetzt, und zwar noch mehr wie damals, geſchieht. Aber haben unſere Väter dies damals nicht geduldet, ſo ſollen wir es auch jetzt nicht dulden und dür⸗ fen alſo mit Denen, welche die Conſequenzen der Augsburgiſchen Confeſſion leugnen, keine Kirchengemeinſchaft halten. Schlußfolgerungen ziehen iſt nicht eine neue Praxis, ſondern eine Praxis, in welcher uns nicht nur die Väter, ſondern der HErr ſelbſt vorangegangen iſt, indem er den Phariſäern und Sadducäern gegenüber durch einen Schluß aus Matth. 22, 29 — 32. und aus 2 Moſ. 3, 6. die Auferſtehung und aus Pſalm 110 ſeine Gottheit beweiſ't. Was das Wort „folgerichtig“ in der 5ten Theſis betrifft, ſo rief das⸗ ſelbe eine eingehendere Beſprechung hervor, weil man beſorgte, es möchte dieſes Wort nicht alles decken, was doch in dieſer Theſis ausgedrückt ſein ſolle. Aber es wurde bald Allen klar, daß andere Ausdrücke entweder nur dasſelbe oder weniger ſagen oder gar die Sache nur verdunkeln würden. Ge⸗ wiß iſt es, wir dürfen zu keinem Reſultat in unſeren Schlüſſen kommen, das klaren Stellen der heiligen Schrift widerſpricht. Aber wer da meint, er könne zwar folgerichtig geſchloſſen haben, und doch ſei es möglich, daß ſein Reſultat der Schrift widerſpräche, der irrt ſich ſehr. Ein Schluß, der zu einem ſolchen Ergebniß führt, iſt ſicherlich kein zwingender, kein folgerichtiger. Und das nicht blos deshalb nicht, weil ſein Reſultat durch klare Stellen der Schrift von vornherein ausgeſchloſſen iſt, ſondern weil ein ſolches Reſultat ein Beweis dafür iſt, daß man nicht richtig geſchloſſen habe. Z. B. der Schluß: Alle Menſchen ſind Sünder — Chriſtus iſt ein wahrer Menſch — alſo iſt er auch ein Sünder — iſt falſch, weil ſchon der zweite Satz in ſeinem Verhältniß zum erſten falſch iſt. Denn es liegt ja gar nicht im Begriffe „wahrer Menſch“, daß derſelbe ein Sünder ſei. Ja, wenn es hieße und heißen könnte: Chriſtus iſt ein Menſch wie wir, dann wäre der Schluß richtig. Man darf das Wort: „folgerichtig“ nicht blos auf den Denk⸗ prozeß, ſondern muß es auch auf die Sätze der Prämiſſen beziehen. Denn