# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1874_S8 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 8 — Deshalb dürfen wir uns auch vor den Conſequenzen aus der Augsbur⸗ giſchen Confeſſion gar nicht fürchten, weil dieſelben nichts anderes ſind, als der entwickelte Inhalt dieſes Bekenntniſſes ſelbſt. Nach Luthers Tode ſind viele falſche Geiſter mit ihren Irrlehren hervorgetreten, die durch die Conſequenzen der Augsburgiſchen Confeſſion ſchon gerichtet waren. Calvin war 1530 noch nicht aufgetreten, aber er war durch den 10ten Artikel der Auguſtana, nämlich durch die daraus ſich ergebenden Conſequenzen, bereits verurtheilt. Wenn ferner die Augsburgiſche Confeſſion lehrt, daß Chriſtus Gott und Menſch in Einer Perſon iſt, ſo iſt dadurch die Lehre von der communicatio idiomatum d. h. von der Mittheilung der Eigenſchaften, obgleich nicht aus⸗ drücklich ausgeſprochen, doch ſo klar angezeigt, daß ein richtiger Schluß die⸗ ſelbe mit Nothwendigkeit hervorzieht. Und ſo iſt es mit der ganzen Augs⸗ burgiſchen Confeſſion. So geſchieht zum Beiſpiel auch nicht des allgemeinen Prieſterthums aller wahren Chriſten in der Augsburgiſchen Confeſſion aus⸗ drücklich Erwähnung, und doch wird darin dasſelbe ſchon dadurch mitbekannt, daß die Lehre von der chriſtlichen Freiheit, von der Rechtfertigung, von der Kirche als der Verſammlung aller Gläubigen und Heiligen u. ſ. w. bekannt wird. In einem groben Irrthum iſt daher z. B. die Iowa⸗Synode befangen, wenn ſie im Bekenntniß als ſolchem gar nur gelten laſſen will, was, wie ſie ſich ausdrückt, darin „bekennend“ geſagt iſt, was alſo nachweisbar direct zu be⸗ kennen in der Abſicht der Väter lag! Sind doch ſelbſt in der heiligen Schrift nicht alle Lehren ſo mit aus⸗ drücklichen Worten ausgeſprochen, daß ſie nicht erſt durch eine Schlußfolge⸗ rung hervorgezogen werden müßten. So ſteht z. B. das Wort Dreieinigkeit nicht mit ausdrücklichen Worten in der heiligen Schrift; aber es ſteht da: der Vater iſt Gott, der Sohn iſt Gott, der Heilige Geiſt iſt Gott; es ſteht ebenſo in der Schrift: der Vater iſt ein anderer, der Sohn iſt ein anderer, der Heilige Geiſt iſt ein anderer; endlich wird in der ganzen Schrift auch be⸗ zeugt, daß nur Ein Gott iſt. Daraus hat denn die alte Kirche gegenüber den Antitrinitariern den folgerichtigen Schluß gezogen: alſo iſt Gott ein dreieiniger Gott, und ſie hat die Antitrinitarier, welche dieſe Conſequenz nicht zugeben wollten, als ſolche, die eine klare Grundlehre der Schrift verwerfen, nicht geduldet. In ähnlicher Weiſe verhält es ſich mit der Augsburgiſchen Confeſſion. Nach dem Grundſatze: Ex veris nonnisi verum, d. h. aus der Wahrheit folgen keine Lügen, brauchen wir uns vor den Conſequenzen aus derſelben nicht zu fürchten. Wenn man uns hierbei vorwirft, wir gingen über die Symbole hinaus, ſo trifft das nicht zu. Denn Conſequenzen aus den Symbolen ziehen, heißt nicht über die Symbole hinausgehen. Das wäre freilich entſetzlich, wenn eine Synode neue Bedingungen der Kirchengemeinſchaft aufſtellen wollte, die es früher weder explicite (ausgeſprochenermaßen), noch implicite (ein⸗ geſchloſſenermaßen) geweſen wären. Das thun wir aber durchaus nicht.