# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S197 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Martin Chemnitz über die letzte Oelung. 197 in der Kirche ein besonderes Sacrament der Oelung für die Sterbenden gebe, und daß jene Oelung das sicherste Schutzmittel in Todesnoth wider die Schwachheit des Fleisches und wider die Anläufe und Macht des Teufels sei, daß man, mit jener Oelung ausgerüstet, durch den Tod zum Leben eingehen könne: dieses, sage ich, kann in der ganzen Geschichte des wahren und reinen Alterthums nicht gezeigt werden. Denn von den römischen Päbsten reden wir jetzt nicht. Man wendet aber ein: Wenigstens Hieronymus legt in der Erklärung von Mark. 6. ein Zeugniß für diese Oelung ab. Wer ist aber jener Hieronymus? Wissen sie doch selbst, daß die Commentarien zu Markus nicht ein Werk des Hieronymus von Stridon, sondern lange nach der Zeit desselben geschrieben sind. So geben sie auch vor: Rechnet nicht Augustinus die Oelung ausdrücklich unter die nothwendigen Tröstungen derjenigen, welche von dieser Welt abscheiden? Wo thut er aber dies? Im zweiten Buch „von Besuchung der Kranken“, sagen sie: desgleichen „von der Richtigkeit des katholischen Umgangs“. Nun aber wissen sie selbst recht gut, daß diese Bücher nicht von Augustinus, sondern lange nach ihm von anderen geschrieben und hernach fälschlich dem Augustinus beigelegt worden sind. Schon daraus kann der Leser abnehmen, was es mit jener letzten Oelung für eine Bewandniß habe, zu deren Erweisung die Beistimmung aus untergeschobenen Schriften erbettelt werden muß. Und doch hatte zu der Zeit, da jene Bücher geschrieben wurden, die Salbung der Kranken noch nicht solche Zusätze erhalten, welche jetzt das Wesen und gleichsam die Seele der papistischen Oelung ausmachen. Da wird nicht geboten, die fünf Sinnenwerkzeuge zu salben; da sagt man nichts davon, daß durch jene Salbung die Sünden vergeben werden; da lehrt man nicht, daß jene Oelung das sicherste Schutzmittel der Sterbenden wider Tod und Teufel sei; da war bei der Oelung noch keine Anrufung der Engel, der Patriarchen, der Propheten, der Apostel, der Märtyrer ꝛc. gebräuchlich, was jetzt einen Haupttheil der Handlung in der letzten Oelung ausmacht. Sondern damals führte man die Kranken noch zu dem Mittler Christus. In dem Folgenden zeigt Chemnitz, wie alle die Stellen, auf welche sich die Päbstler für ihr Sacrament der letzten Oelung berufen (Theophylakt in Marc. 6. Oecumenius in Jac. 5. Chrysostomus l. 3. de sacerdotio), keinen Schatten von Beweis dafür liefern, und fährt hierauf wie folgt, fort: „Das kann jedoch gezeigt werden, daß nicht lange nach den Zeiten der Apostel die apostolische Salbung der Kranken ohne die Gabe gesund zu machen zu einem anderen Gebrauch umgestaltet und verkehrt worden ist von den Ketzern. Denn Irenäus sagt Buch 1. Cap. 18., daß einige aus den Valentinianern ihre Sterbenden einsalben, indem sie die Häupter derselben mit Oel und Wasser unter gewissen Anrufungen begießen, und zwar in der Meinung, daß sie durch diese Salbung erlöst werden. Die Nachricht ist be⸗