# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S196 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 196 Martin Chemnitz über die letzte Oelung. Symbol der Salbung mit Oel angewendet, nicht weil entweder das Oel selbst, oder die Handlung des Salbens irgend eine Kraft und Wirksamkeit zur Heil- ung hätte oder brächte, denn sie war eine wunderhafte, vielweniger zur Ver- gebung der Sünden, welche Jakobus dem Gebet des Glaubens zuschreibt; sondern weil es damals aus dem Alten Testamente eine bekannte Sache war, daß das Oel himmlische Gaben bedeute. Sie wendeten daher bei der Gabe gesund zu machen die Salbung mit Oel an, damit das äußerliche Symbol selbst die Menschen erinnern möchte, daß jene Heilungen nicht auf eine mensch- liche oder magische Weise ihnen zu theil würden, sondern himmlische Gaben sein aus göttlicher Kraft und Wirkung. Zum anderen, weil das Oel in der hl. Schrift die geistlichen Wohlthaten Gottes bedeutet, wendeten sie daher bei der Gabe gesund zu machen die Salbung mit Oel an, um durch jenes Sym- bol die Erinnerung zu geben, daß die Gesundgemachten an jenen leiblichen Wohlthaten nicht haften dürften, sondern das Herz erheben müßten, die geist- lichen Wohlthaten des Mittlers Christi zu erkennen, zu suchen und anzunehmen, dazu sie durch jene leiblichen Wohlthaten eingeladen und angeleitet würden. Zum dritten, das Oel war in jenen Gegenden sehr vorzüglich und in täglichem Gebrauch, nicht allein zur Nahrung und Erquickung, 2 Kön. 4, 2. und Ps. 104, 15., sondern auch zu Heilungen, Jes. 1, 6, Ezech. 16, 13. Luk. 10, 34. Wie daher Jesaias (37, 21.) Feigen nahm, Hiskias Pest zu heilen, so wen- deten die Apostel, damit es nicht schiene, als ob sie Magie trieben, Oel an bei ihren Heilungen, die jedoch die natürliche Kraft und Wirksamkeit des Oels weit übertrafen, denn es waren Wunder. . Und so könnte freilich, nachdem jene Gabe der Heilungen aufgehört hat, die Stelle in Jakobus gottselig und nützlich bei dem Gebrauch der Medicamente in den Krankheiten der Christen angewendet werden.; daß man nehmlich dieselben vorerst der Ur- sache der Krankheit erinnerte, das ist, daß sie lernten ihre Sünden erkennen, sich mit Gott durch den Glauben versöhnen und Gotte durch Gebet ihre Ge- sundheit befehlen; sodann könnten sie die Medicamente gottselig brauchen mit eigener Anrufung des Namens des HErrn, verbunden mit dem gemeinen Gebete. Die papistische letzte Oelung ist daher keinesweges damit, daß Mar- kus und Jakobus sagen, daß die Apostel die Kranken mit Oel gesalbt haben, in jenen Stellen eingesetzt oder bekannt gemacht. Hierzu kommt, daß man in dem wahren und reinen Alterthum von die- sem Sacrament für Sterbende nichts liest. Bei den Alten findet man Be- schreibungen von Krankenbesuchungen; man findet Geschichten, wie viele Fromme in dem HErrn selig entschlafen seien; man findet alte Kirchengesetze, durch welche Mittel die aus dieser Welt Abscheidenden auszurüsten und mit welchem Zehrgeld sie zu versehen seien, damit sie, wie Dionysius von Corinth sagt (Euseb. K. G. 1. B. 44. C.), voll guter Hoffnung von hinnen scheiden möchten; dabei werden nun wohl die Tröstung mit Gottes Wort, der Glaube, das Gebet, die Absolution, die Communion des Leibes und Blutes Christi aufgeführt und nahmhaft gemacht: davon aber wird nichts erwähnt, daß es