# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 05 04_S99 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) des Methodismus, und das iſt eben die Urſache, weßhalb ſie Alles thun, um ihre lutheriſchen Brüder der giftigen Verführung dieſer Seete zu entreißen. Nur das wiſſen ſie vielleicht noch nicht, daß neulich unberufene methodiſtiſche Winkelprediger den Verſuch machten, in die wohl verſorgten lutheriſchen Gemeinden von Perry County, in Miſſouri, einzuſchleichen, um dort ihren giftigen Schwarmgeiſt auszu— laſſen, was ihnen aber von den Lutheranern gewehrt wurde. Auch das möchte ihnen viel— leicht noch unbekannt ſein, daß die tiefſinnigen methodiſtiſchen Gelehrten in unſerm kleinen lutheriſchen Katechismus, wie derſelbe von Herrn Pfarrer Löhe ſchriftgemäß erklärt iſt, und in unſerer Augsburgiſchen Confeſſion eine Menge Irrthümer finden. Doch wollen wir dem „Apologeten“ den Gefallen thun, den „wah— ren Chriſten Deutſchlands“ dieſe Nachricht zu geben, damit ſie fortfahren, mit Gaben und Gebet die lutheriſche Kirche Nordamerica's zu unterſtützen. Die etwaige methodiſtiſche Spe— culation auf die Miſſionsgaben „der wahren Chriſten Deutſchlands“ dürfte wohl vergeblich ſein. Auch wollen wir gewiſſenhaft berichten, wie die ausgeſandten lutheriſchen Prediger hier von dem „Apologeten“ geläſtert werden, dieſe Schmähungen werden den wahren Chriſten Deutſchlands ein erfreulicher Beweis ſein, daß ſie die rechten Männer ausgeſandt haben. — Ja, freuet euch, meine Brüder, daß die luthe⸗ riſche Kirche von Papiſten und Methodiſten auf gleiche Weiſe geſchmäht wird, daß Werk— heiligkeit und Schwärmerei ſich verbinden, um ſie anzufeinden. Während aber die Kirche Chriſti fröhlich die Angriffe ihrer hochmüthi— gen Feinde duldet und mit Frieden die Schmach Chriſti trägt, rufet und ladet ſie freundlich zu ſich alle Mühſeligen und Beladenen, alle ge— ängſteten und zerſchlagenen Herzen, welche demüthig ihre Sünden erkennen und aus dem löcherigten Brunnen ſectireriſcher Seelenquä— lerei ihren Durſt nicht ſtillen können, damit ſie Nuhe finden für ihre Seelen in dem unaus⸗ ſprechlichen Reichthum der Erkenntniß Chriſti. H. Fick. Luther von der Heiligung. Chriſtliche Heiligkeit, oder gemeiner Chriſten Heiligkeit iſt die, wenn der heil. Geiſt den Leu— ten Glauben gibt an Chriſtum und ſie dadurch heiliget, Apoſt. 15, 9., das iſt, er macht neu Herz, Seel, Leib, Werk und Weſen und ſchreibt die Gebot Gottes nicht in ſteinerne Tafeln, ſondern in fleiſchliche Herzen, 2 Cor. 3, 3. Als, daß ich's gröblich rede: nach der erſten Tafel gibt er recht Erkenntniß Gottes, daß ſie, von ihm erleuchtet, mit rechtem Glau— ben allen Ketzereien widerſtehen, alle falſchen Gedanken und Irrthum überwinden können, und damit rein im Glauben wider den Teufel bleiben. Er gibt auch Stärke, und tröſtet die blöden, verzagten, ſchwachen Gewiſſen wider das Anklagen und Anfechtung der Sün— den, damit die Seclen nicht verzagen oder ver— zweifeln, auch nicht erſchrecken vor der Marter, Pein, Tod, Zorn und Gericht Gottes, ſondern 99 in der Hoffnung geſtärkt und getröſt, kecklich und fröhlich den Teufel überwinden. Alſo gibt er auch rechte Furcht und Liebe ge⸗ gen Gott, daß wir Gott nicht verachten, und wider ſeine wunderliche Gerichte nicht murren noch zürnen, ſondern in allem, was vorfället, Gutes oder Böſes, ihn lieben, loben, danken und ehren. Solches heißt ein neu heilig Le— ben in der Seele nach der erſten Tafel Moſis. Man heißts auch tres virtutes theologicas, die drei Haupttugenden der Chriſten, als: Glaube, Hoffnung, Liebe (1 Cor. 13, 13.), und der heil. Geiſt, der ſolches (uns von Chriſto er— worben,) gibt, thut und wirket, heißt darum Sanctificator oder Vivificator (Heilig- und Le⸗ bendigmacher). Denn der alte Adam iſt todt und kanns nicht thun, und muß es dazu noch durchs Geſetz lernen, daß ers nicht thun könnte oder todt ſei; ſonſt wüßte er ſolches auch nicht von ihm ſelbſt. In der andern Tafel und nach dem Leibe heiliget er die Chriſten auch, und gibt, daß ſie williglich den Eltern und Oberherren gehorſam ſind, friedlich, demüthig ſich halten, nicht zornig noch rachgierig oder boshaftig, ſondern geduldig, freundlich, dienſtlich, brüder— lich, lieblich ſind, nicht unkeuſch, Ehebrecher, unzüchtig, ſondern keuſch, züchtig mit Weib, Kind und Geſind, oder ohne Weib und Kind. Alſo fort nicht ſtehlen, wuchern, geizen, über— ſetzen ꝛc., ſondern ehrlich arbeiten, ſich redlich nähren, gern leihen. geben, helfen, wo ſie kön— nen; alſo nicht lügen, trügen, afterreden, ſon— dern gütig, wahrhaftig, treu und beſtändig ſind, und was mehr in den Geboten Gottes ge— fordert wird. Solches thut der heil. Geiſt; der heiliget und erwecket auch den Leib zu ſol— chem neuen Leben, bis es vollbracht werde in jenem Leben. Und das heißt die chriſtliche Heiligkeit. Und ſolche Leute müſſen immer auf Erden ſein, und ſollten gleich nur zween oder drei oder allein die Kinder ſein. Der Alten ſind leider wenig. Und welche es nicht ſind, die ſollen ſich nicht für Chriſten rechnen, man ſolle ſie auch nicht tröſten, als ſein ſie Chriſten, durch viel Geplauder von Vergebung der Sünden und Gnade Chriſti, wie die Anti⸗ nomer thun. Denn dieſelbigen, nachdem ſie die zehn Gebot verwerfen, und nicht verſtehen, predigen ſie dieweil von der Gnade Chriſti viel, ſtärken aber und tröſten diejenigen, ſo in Sünden bleiben, daß ſie ſich nicht fürchten noch erſchrecken ſollen für den Sünden; denn ſie alle weg ſind durch Chriſtum: und ſehen und laſſen gleichwohl gehen die Leute in öffent— lichen Sünden, ohne alle Neuerung und Beſſe— rung ihres Lebens. Daraus man wohl mer⸗ ket, daß ſie wahrlich auch den Glauben und Chri— ſtum nicht mehr verſtehen, und eben damit auf— heben, da ſie ihn predigen. Denn wie kann der recht von den Werken des heil. Geiſtes in der erſten Tafel, vom Troſt, Gnade, Verge— bung der Sünden reden, der die Werke des heil. Geiſtes in der andern Tafel nichts achtet noch treibet, welche er verſtehen kann und erfahren, jene aber nie verſucht noch erfahren hat! Darum iſt gewiß, daß ſie weder Chriſtum noch heil. Geiſt haben oder verſtehen und ihr Geſchwätze ein lauter Schaum auf der Zungen iſt; ſie lehren Chriſtum und vertilgen Chriſtum, indem ſie ihn lehren. (L. W. XVI., 2781 — 83.) — —— — Todesnachricht. Es hat Gott gefallen, unſern lieben Glau⸗ bens⸗ und Amtsbruder, Herrn J. G. Burger, lutheriſchen Paſtor in Van Wert County, O., nach einem nur zehntägigen Krankenlager, zum Theil wohl in Folge von anſtrengenden Amtsarbeiten, am 26. März zu der Ruhe heimzuholen, die noch vorhanden iſt dem Volke Gottes. ö Im Jahre 1842 zugleich mit dem Paſtor Ernſt in Union County, O., aus Deutſchland herübergekommen, bediente er zuerſt unter vie⸗ len herzkränkenden Erfahrungen und in großer Armuth eine lutheriſche Gemeinde in Hancock County, O., und nahm im Frühling 1846 einen Ruf von zwei kleinen lutheriſchen Ge— meinden in Van Wert und Mercer County, O., an. Und obwohl die Zeit ſeines amtlichen Wir- kens unter dieſen nur von ſo kurzer Dauer war, ſo hatten ſeine zwei Gemeinden ſeinen treuen Sinn und ſeine ſelbſtverleugnende Liebe ſchon genugſam kennen und ſchätzen lernen, um ſei— nen Verluſt ſchmerzlich zu empfinden. Aber nicht bloß dieſe ſeine Gemeinden, ſondern auch die lutheriſche Kirche hieſigen Landes, die noch treu hält am Bekenntniſſe der Väter und das edle Kleinod der reinen ſchriftgetreuen Lehre in allen Artikeln der heilſamen Wahrheit feſt und unverrückt bewahrt, — auch dieſe Kirche hat an ihm einen treuen Diener verloren. Denn nicht nur war er durchaus einfältig und lauter, demüthig und kindlich in ſeinem Herzen und Gemüthe, ſondern auch mit der Gabe der Lehr— haftigkeit vom heil. Geiſte ausgerüſtet, alſo daß er die Wahrheit zur Seligkeit zu lehren und den Irrthümern zu wehren gleichmäßig vermochte und Beides wohl ausrichtete. Da⸗ bei meinte er es auch mit jeder einzelnen Seele treulich und aufrichtig, ſie nach ihrem Bedürf— niß, mit und nach Gottes Wort zu lehren und zu vermahnen, zu ſtrafen und zu tröſten. Obwohl er in den letzten Tagen ſeiner Krank⸗- heit, welches die Lungenentzündung war, mehr⸗ fach in einem Zuſtande der Betäubung dalag, vielleicht auch in Folge empfangener Arznei, ſo hat er u. A. doch zwei liebliche Aeußerungen gethan, welche von ſeinem Glauben und ſeiner Liebe Zeugniß geben. Das eine Mal ſagte er nämlich zu zweien ſeiner Kirchkinder: „Gott hat euch jetzt einen Paſtor gegeben; er kann ihn aber auch wieder nehmen; haltet aber nur feſt an dem Bekenntniſſe der Wahrheit und ſeid einig unter einander!“ Das andere Mal ſprach er: „Ich habe zwar Luſt, abzuſcheiden und bei Chriſto zu ſein; doch möchte ich gerne noch etwas im Fleiſche bleiben, um Euretwillen; aber wie Gott will.“ Der Text für die Predigt bei ſeiner Beſtat— tung, Epheſ. 2, 8. 9., desgleichen die dabei zu ſingenden Lieder hatte er ſelbſt ausgewählt. Geboren zu Nördlingen in Baiern am 4. July 1816, brachte er ſein Alter auf nicht volle 31 Jahre und hinterläßt eine betrübte Wittwe mit einem einjährigen Söhnlein und einem noch nicht gebornen Kindlein in durchaus unbemit⸗ telten Umſtänden. W. Sihler, luth. Paſt. zu Fort Wayne. Sonderbare Proſelytenmacher. Als kurz vor Beginn des dreißigjährigen Krieges die Bedrängniſſe der Lutheraner durch 40