# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S195 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Martin Chemnitz über die letzte Oelung. 195 Lehre und Regel des Jakobus anwendbar und allerdings nothwendiger Weise zu halten sein. Weil es jedoch offenbar und notorisch ist, daß jetzt jene Gabe in der Kirche aufgehört hat, so fragt sich's, ob das äußerliche Symbol derselben, mit welchem die Sache selbst, nehmlich die Wiederherstellung der Gesundheit durch ein Wunder, nicht mehr verbunden ist, in der Kirche im Gebrauch zu erhalten und anzuwenden ist, und zwar also, daß es auf eine Hand- lung anderer Art, zu einem anderen Zweck und Nutzen, übertragen wird. Auf welchen Befehl, auf welche Verheißung hin wird jene Oelung, mit wel- cher jetzt nicht mehr die Gabe gesund zu machen verbunden ist, auf einen anderen Zweck und Nutzen übertragen? Denn der Befehl und die Verheiß- ung, welche jene Oelung gehabt hat, bezieht sich sowohl nach Jakobus, als nach Markus auf die Gabe gesund zu machen. Es ist dasselbe, als wollte man jetzt die Salbung der Priester und Könige mit Oel, welche im A. T. Befehl und Verheißung hatte, den Sterbenden ertheilen! Die letzte Oelung der Papisten, weil sie nach Erlöschung der Gabe gesund zu machen zu etwas anderem gebraucht wird, hat weder Befehl, noch Verheißung, ja selbst kein Beispiel, weder im Markus, noch im Jakobus. . . Und weil der Glaube nicht ohne Verheißung ist, so kann dabei kein Gebet des Glaubens sein. . Mit dem Aufhören der Sache selbst, nehmlich der Gabe gesund zu machen, hört natür- lich auch das äußerliche Symbol derselben auf, nehmlich die Salbung mit Oel. Indeß bleibt, was zu den Wirkungen des Wortes gehört, in den Krankhei- ten der Christen: die Erkenntniß der Sünde, das Gebet, die Sündenverge- bung, was durch kein Gebot Gottes jetzt, nachdem die Gabe gesund zu machen aufgehört hat, an die Oelung gebunden ist: ja selbst die Gabe gesund zu ma- chen war auch damals nicht an die Oelung gebunden, wie alle Beispiele von Heilungen in der Apostelgeschichte bezeugen, von deren keiner man liest, daß dabei die Salbung mit Oel angewendet worden ist. Wenn jedoch entgegnet wird, daß das Amt der Apostel weder ein Amt der Krankenheilung, noch ein leibliches gewesen sei, sondern ein geistliches, daher jene Oelung sich nicht blos auf die Gabe gesund zu machen bezogen habe, so antworte ich: darum aber sind äußerliche oder leibliche Wunder angewendet worden, damit durch dieselben die Lehre von den geistlichen Wohlthaten Chri- sti bestätigt und der Geheilte nach oben gewiesen und der geistlichen und ewi- gen Güter, welche im Evangelium angeboten werden, zu erkennen, zu ver- langen, zu suchen und zu ergreifen angeleitet würde. Indeß sind an Vielen äußerliche Wunder gethan worden, welche die geistlichen Wohlthaten Christi nicht empfangen, sowie im Gegentheil Viele, an deren Leibern kein Zeichen geschehen ist, die Gnade Gottes durch den Glauben im Worte des Evangeliums erlangt haben. Denn die äußerlichen Wunder waren nicht das Werkzeug, durch welches die geistlichen Güter angeboten und zugeeignet werden; sie bereiteten dem Evangelio welches das Amt des Geistes ist, darin der Glaube Gnade, Vergebung ꝛc. sucht und empfängt, nur den Weg. Die Apostel haben also bei der Gabe gesund zu machen das äußerliche