# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1873_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 14 — heilſamen Lehre ſchenkt, ſo weit zum Seligwerden nöthig iſt; wir aber erkennen den Glauben des Nächſten nur, ſo weit dies möglich iſt, wenn er äußerlich durch das Bekenntniß hervortritt. Der gläubige Reformirte z. B. verbirgt dagegen ſelbſt uns ſeinen Glauben, ſofern er ſich zu den Unterſcheidungslehren ſeiner Kirche bekennt; ich kann bei ihm nicht in dem Maße zur Gewißheit kommen, daß er ein Chriſt ſei, als ich dies bei einem Lutheraner kann, der mit mir in allen Stücken daſſelbe bekennt. Aber auch hier kann ich mich ja täuſchen in dem Lutheraner; es mag mich mit dem⸗ ſelben am Ende doch allein ſein Bekenntniß verbunden und etwa auch ſon⸗ derlich zu ihm hingezogen haben, während keinerlei innere Gemeinſchaft zwiſchen uns ſtattgefunden hat oder ſtattfindet. Was mich mit dem Luthe⸗ raner, ſei er ein wahrhaft Gläubiger oder nicht, noch ſonderlich verbindet, iſt alſo unläugbar nichts, als das gleiche Bekenntniß, alſo ein äußerliches Band, während innerlich ich mit Niemanden ein Gemeinſchaftsband habe, als mit dem, der im rechtfertigenden Glauben ſteht. So gebraucht ja auch unſer kirchliches Bekenntniß die in den Theſen gebrauchten Worte ganz in demſelben Sinne, ſo daß wir alſo ganz demſelben gemäß reden, wie es denn u. A. im 7. Artikel der Apologie heißt: „Die chriſtliche Kirche ſtehet nicht allein in Gemeinſchaft äußerlicher Zeichen, ſondern ſtehet für⸗ nehmlich in Gemeinſchaft inwendig der ewigen Güter im Herzen, als des heiligen Geiſtes, des Glaubens, der Furcht und Liebe Gottes. Und die⸗ ſelbe Kirche hat doch auch äußerliche Zeichen, dabei man ſie kennt; nämlich, wo Gottes Wort rein gehet ꝛc.“ So bleibt es denn dabei: Das⸗ jenige, was gläubige Lutheraner wie Andere mit Chriſto verbindet, iſt nichts anderes, als der rechtfertigende Glaube; die Gemeinſchaft, die ſie nun aber ſo mit Chriſto haben, iſt, was ſie nun wieder unter einander innerlich verbindet. Im Vergleich zu der ſo geſchaffenen inneren Gemein⸗ ſchaft iſt die dogmatiſche Uebereinſtimmung nicht weſentlich —: ſie iſt nicht weſentlich nothwendig zur inneren Gemeinſchaft überhaupt. Sie iſt nicht das eigentliche Band, das innerlich verbindet, obgleich die betreffen⸗ den Dogmen wahren Lutheranern ja gewiß Herzensſache und inſofern etwas Innerliches ſind. Der Kern und das Ziel auch der Unterſcheidungs⸗ lehren iſt unzweifelhaft der Herr Chriſtus ſelbſt. Wir Lutheraner nun ſind allerdings inſofern im Vortheil vor den Kindern Gottes in anderen Kirch⸗ partheien, als dieſe bei dem Mangel an Erkenntniß unſerer Unterſchei⸗ dungslehren ſo viel weniger Kanäle zum Ziel haben, als wir. Zur zweiten Theſe: Wo der rechtfertigende Glaube, den die erſte Theſe als das einzige rein innerliche Gemeinſchaftsband lutheriſcher Ge⸗ meinden bezeichnet hat, durch die reine und lautere Predigt des Wortes Gottes angezündet worden iſt, da iſt es ganz unmöglich, daß derſelbe nicht ſeinen Ausdruck in Worten finde und alſo ein Bekenntniß erfolge. So antwortete Petrus auf die Frage des Herrn: „Wer ſagt denn ihr, daß ich