# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1873_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 9 — in Amerika ſteht es nun freilich noch wohl, Gott ſei Dank! etwas anders und beſſer. Doch wiſſen wir ja leider nur zu gut, wie feindlich die Ge⸗ neral⸗Synode zum Bekenntniß der lutheriſchen Kirche ſteht und wie ande⸗ rerſeits das General⸗Council keinen rechtſchaffenen Ernſt beweiſt in Betreff der lutheriſchen Lehre und geſunder kirchlicher Praxis. Uns ſelbſt nun hat der treue Gott Gnade gegeben, daß es uns wirklich Ernſt iſt mit unſerem Werke in Gottes Kirche. Wir wollen die alte Wahrheit göttlichen Wortes ja nicht blos mit dem Munde bekennen und das Bekenntniß der lutheriſchen Kirche als bloßes Aushängeſchild gebrauchen. Wir ſollen jetzt aber auch je länger deſto mehr mit der rechten Praxis Ernſt machen, ſoweit dies nicht ſchon geſchieht. Dazu ſollen die Theſen und ihre Beſprechung uns kräftig anregen. Wir behalten dabei einzig unſere hieſigen Verhältniſſe im Auge, wenn auch zur Exemplifizirung einzelne Fälle aus anderen Ge⸗ bieten der Kirche angeführt werden mögen. Während der nächſte Zweck der „Vorbemerkung“ ja nun freilich bloß der iſt, genauer zu beſtimmen, in welchem Sinne des Wortes „Kirchenge⸗ meinſchaft“ die Theſen von derſelben handeln, mögen wir wohl von der hier gegebenen Erläuterung des weiteren Wortbegriffs Gelegenheit nehmen, es auf's neue hervorzuheben, daß, obwohl die Schwärmer und alle Falſch⸗ gläubigen als ſolche ja freilich nicht die Kirche Gottes ſind, doch der Herr überall Seine Kinder, Seine Kirche hat, wo Gottes Wort noch weſentlich iſt und Stücke der ſeligmachenden Lehre im Schwange gehen. Es ſind eben Gläubige da, weil das Wort Gottes, ſofern es noch dort iſt, immer und überall ſeine zeugende Kraft hat, wiederzugebären und alſo den Glau⸗ ben zu erwecken, trotz aller Schäden, die ſich in ſolcher Kirchengemeinſchaft finden. Um der nun ſo in ihr verborgenen gläubigen Kinder Gottes willen wird dieſe eben auch noch mit Recht „Kirche“ genannt. Es bekennen ſich dieſe Gemeinſchaften ja auch zum apoſtoliſchen Symbolum. Dieſes aber iſt die Antwort der Kirche auf die lautere Predigt des göttlichen Wortes. Wer ſich noch zu dieſem Symbol bekennt, gehört zur ſichtbaren Kirche im weiteſten Sinne des Wortes: zur Gemeinde der Berufenen. — Als Beleg dazu, wie der Herr Seine Kirche hat überall, wo Gottes Wort noch weſentlich iſt, dienen folgende zwei Zeugniſſe: Luther: „Derhalben ſo iſt die Kirche allenthalben heilig, auch an den Oertern, da gleich die Schwärmer und Rottengeiſter regieren, ſofern ſie nur das Wort und Sacra- ment nicht allerdings verleugnen und verwerfen. Denn die dieſe Dinge ganz und gar verleugnen, ſind keine Kirche mehr. Wo aber Wort und Sacrament we- ſentlich bleiben, da bleibet auch eine heilige Kirche, und liegt nichts daran, obgleich der Endechriſt daſelbſt auch regieret, welcher nicht in einem Teufels- ſtalle, noch im Schweinskober, noch in einem ungläubigen Haufen, ſondern an der alleredelſten und heiligſten Statt, als nämlich im Tempel Gottes, ſitzt, 2. Theſſ. 2, 4.