# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S194 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 194 Martin Chemnitz über die letzte Oelung. Aber du sprichst: Jakobus schreibt daselbst nicht den Aposteln etwas vor, welche die Gabe gesund zu machen hatten, sondern anderen Presbytern der Kirche. Und zwar hat er daselbst ausdrücklich die Vergebung der Sünden erwähnt. Ich antworte: Wenn Christus Mark. 16, von den Zeichen oder Wundern redet, welche der Predigt des Evangeliums folgen würden, so be- zieht er jene Gaben nicht allein auf die Apostel, sondern auch auf andere Gläubige. Damals also, als die Gabe gesund zu machen noch in der Kirche nicht nur bei den Aposteln, sondern auch bei anderen Presbytern war, hat ihnen Jakobus vorgeschrieben, wie sowohl diejenigen jene Gaben gottselig, heilsam und erbaulich gebrauchen sollten, die dieselbe hatten, als an denen sie ausgeübt wurde, so lange jene Gabe in der Kirche bleiben würde. Daraus ist daher kein allgemeines und immerwährendes Gebot von Anwendung der Oelung zu machen, auch nachdem die Gabe der Heilung, wovon die Oelung ein Symbol war, aufgehört hat; wie dies aus 1 Cor. 14, 2. ff. zu ersehen ist. Einige mißbrauchten nehmlich die Gaben der Sprachen und Weissagung; Paulus schreibt daher die Weise und Form vor, wie man jene Gaben, so lange sie in der ersten Kirche waren, heilsam und zur Erbau- ung gebrauchen sollte. Nun aber haben sie aufgehört. So schreibt auch Jakobus, als viele in der ersten Kirche die damals vorhandene Gabe ge- sund zu machen entweder mißbrauchten oder doch nicht recht gebrauchten, die Weise und Form vor, wie jene Gabe gottselig, heilsam und erbaulich zu gebrauchen sei; daß sie nehmlich nicht angewendet werde wie ein chirurgisches oder ärztliches Kunststück, sondern daß sie das Gemüth erhebe zur Betrach- tung unserer Sünde und unseres Elendes, nehmlich zur Buße und Erkennt- niß der geistlichen Wohlthaten des Sohnes Gottes. Denn dies war der Ge- brauch aller Wunder. Jakobus lehrt daher, daß der Kranke, wenn er durch Oelung geheilt werden sollte, der Ursache der Krankheit erinnert werden müsse, damit er seine Sünden erkennen möchte; er will auch, daß er in Be- treff des Glaubens belehrt werde, damit durch die Vergebung der Sünden die Ursache der Krankheit, nehmlich die Sünde, aufgehoben werden möchte. Er will auch, daß damit das gemeine Gebet verbunden sei und daß auch zu- gleich der Kranke im Glauben bitte; denn einem Ungläubigen oder Lästerer wer- den wenn auch andere für ihn bitten, die Sünden nicht vergeben. Auf diese Weise, gibt er zu verstehen, könne die Gabe gesund zu machen, wobei das äußerliche Symbol der Oelung angewendet wurde, heilsam gebraucht werden. Die Vergebung der Sünden aber schreibt er nicht dem äußerlichen Symbol der Oelung, sondern ausdrücklich dem Gebete des Glaubens zu, was auch Lyranus wohl eingesehen hat. Und im Nächstfolgenden zeigt er an Elias Beispiel, daß die gewöhnlichen Wunder, dergleichen damals auch die Gabe gesund zu machen war, durch das Gebet der Gerechten geschehen. Das ist die Summa der Meinung des Jakobus. Und wenn die Gabe gesund zu machen noch heutzutage in der Kirche sich fände, so würde diese