# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S68 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 68 — Die Abſicht dieſer Theſis iſt, darzuthun, daß, obgleich wir ſo lehren, daß allen Menſchen Vergebung der Sünden erworben und der Erwerbung nach Gerechtigkeit und Seligkeit für alle Menſchen vorhanden iſt, und obgleich wir zum andern auch das lehren, daß im Wort und Sacrament dieſer Schatz auch allen angeboten und vorgetragen wird, wir dennoch nicht leugnen, daß Gott den Einzelnen, wenn er nur dieſen Schatz annimmt, in Chriſto und durch Chriſtum für einen ſolchen hält, der dieſe Gerechtigkeit hat, und daß er in derſelben Stunde, ſo zu ſagen, ins Buch des Lebens eingeſchrieben wird, und daß das die Rechtfertigung ſei, welche im kirchlichen Sprachgebrauch ſchlecht⸗ hin die Rechtfertigung eines armen Sünders genannt wird, weil da jeder Einzelne vor Gott im Gericht ſteht und für ſeine Perſon von ihm los⸗ geſprochen wird. Dieſer actus forensis d. i. gerichtliche Handel geht durch das ganze Leben des Menſchen hindurch, denn immer aufs Neue erklärt Gott den Menſchen frei von Sünde, Tod und Gericht. So lehren wir: wenn der einzelne Gläubige des Schatzes, welchen Chriſtus erworben hat, theilhaftig iſt, ſo laſſe Gott in ſeinem Gericht das gelten, da er in Chriſtum eingegangen iſt, wie der Apoſtel ſagt: „So iſt nun nichts Verdammliches an denen, die in Chriſto JEſu ſind“; nun hat er Theil an der Erlöſung, die Chriſtus erworben hat. Vor dem Glauben iſt der Sünder vor Gott gerecht nur der Erwerbung und der göttlichen Abſicht nach, aber wirklich (actu) gerecht, für ſeine Perſon gerecht, thatſächlich gerecht iſt er erſt, wenn er glaubt. Es iſt eben hiemit ähnlich, wie mit der Verſöhnung. Gott iſt mit uns verſöhnt, ehe wir glauben, wenn wir noch Feinde ſind; wenn wir aber zum Glauben kommen, werden wir auch mit Gott verſöhnt. So ſagt z. B. Quenſtedt: Wie Chriſtus uns mit Gott verſöhnt hat durch ſein Sterben, ſo verſöhnt er uns mit Gott kraft ſeines Todes, indem er uns bekehrt durch das Wort vom Kreuz. Denn darin beſteht ja eben die Bekehrung eines Menſchen, daß er zum Glauben gebracht wird. Dadurch werden wir mit Gott verſöhnt, nachdem Gott mit uns verſöhnt iſt durch Chriſti Tod. In der Concor⸗ dienformel heißt es daher: „Das Blut Chriſti reiniget uns von allen Sünden, 1 Joh. 1, 7., nicht allein nach dem Verdienſt, welches am Kreuz einmal verrichtet, ſondern Johannes redet an demſelben Ort davon, daß uns im Werk oder Handlung der Rechtfertigung nicht allein die göttliche Natur in Chriſto, ſondern auch ſein Blut per modum efficaciae, das iſt, wirklich reiniget uns von allen Sünden.“ (Art. 8. S. 686.)