# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S67 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 67 — keit und des Gehorſams gegen Gottes Wort gelten zu laſſen, ſondern des⸗ halb, weil der Schatz des Verdienſtes Chriſti, welchen auch der ſchwächſte Glaube in der Verheißung des Evangeliums ergreift, wirklich eine vollgiltige Genugthuung für alle Schuld und Strafe der Sünden, ſowie einen vollkomme⸗ nen Gehorſam gegen alle Forderungen des Geſetzes Gottes in ſich begreift.“ Dieſer Satz iſt dem vorigen noch hinzugefügt worden, weil neben der falſchen Lehre, daß der Glaube ein ſo hohes, verdienſtliches Werk ſei, noch eine weitere falſche Lehre der Arminianer zurückzuweiſen iſt, welche ſagen: die Gnade Gottes beſtehe gerade darin, daß er dieſen Glauben ſo viel gelten laſſen wolle, daß er deshalb den Gläubigen ſelig mache. Dagegen iſt feſt zu halten, daß auch der ſchwächſte Glaube, und wäre es nur ein Fünklein, ſo⸗ fern er nur Glaube iſt, Chriſtum hat mit ſeinem ganzen Verdienſt, weil er eben Chriſtum ergreift, der ja einen ſo vollkommenen Gehorſam geleiſtet und eine ſo vollſtändige Erlöſung durch ſich ſelbſt zuwege gebracht hat, daß wer ihn hat, auch vollkommen ſelig iſt. Nun bleibe es ſich aber ganz gleich, ob Jemand einen Edelſtein mit der ſtarken Hand eines geſunden Mannes oder mit dem ſchwachen Finger eines kranken Kindes hält, wenn er ihn nur hält. Theſis 11: „Der Glaube des Einzelnen bewirkt auch nicht durch ſeine Kraft, daß die evangeliſche Gnadenverheißung, welche Gott im Wort des Evangeliums oder der Abſolution ausſpricht, wirklich giltig, kräftig und wahr wird, ſondern er hält ſich einfach an die Verheißung der Gnade und Vergebung als eine göttlich wahre und kräftige, und indem er ſo die Verhei⸗ ßung Gottes annimmt, ergreift er darin zugleich die Gabe der Gerechtigkeit und Seligkeit und hat, was die Worte ſagen und wie ſie lauten.“ Die Sache, welche hier ausgedrückt wird, haben wir bereits bei den vo⸗ rigen Theſen eingehend beſprochen, daß nämlich der Glaube dem Evangelio und der Abſolution nicht erſt den Gehalt gibt. Des Glaubens Amt iſt nicht, Inhalt zu geben, ſondern den Inhalt, welchen Gott in die Gnaden⸗ mittel gelegt hat, heraus zu nehmen, daher nie in der heiligen Schrift die Rede zu finden iſt, wegen oder um des Glaubens willen, ſondern im⸗ mer: „durch oder aus dem Glauben.“ Hieher gehören auch alle Stel⸗ len des Concordienbuches, in welchen geſagt wird, daß das Evangelium ohne Glauben nichts nütze, obwohl der Schatz überſchwänglich ſei. Denn ein ander Ding iſt es, daß der Schatz da iſt, und ein anderes, daß er etwas nütze. Theſis 12: „Wenn ein Einzelſünder durch den Glauben die Verhei⸗ ßung des Evangelii im Wort oder Sacrament ergreift, und ſich ſo den Schatz des Verdienſtes Chriſti zu ſeiner Rechtfertigung und Seligmachung zueignet, wird derſelbe auch von Gott als in einer gerichtlichen Handlung vor dem Richterſtuhl Gottes für einen ſolchen angeſehen, gerechnet und erklärt, der nun für ſeine eigene Perſon des Verdienſtes und der Gerechtigkeit Chriſti zu ſeiner Seligkeit theilhaftig und alſo durch den perſönlichen Beſitz der Wohl⸗ that Chriſti auch perſönlich gerecht und ein Erbe des ewigen Lebens iſt.“