# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S66 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 66 — wird durchs Evangelium und in den Sacramenten von dem Heiligen Geiſt uns fürgetragen und durch den Glauben applicirt, zugeeignet und an⸗ genommen, daher die Gläubigen haben Verſöhnung mit Gott, Vergebung der Sünden, Gottes Gnade, die Kindſchaft und Erbſchaft des ewigen Le⸗ bens.“ (S. 611. 612.) Wir werden durch den Glauben gerecht, iſt alſo eine metonymiſche Rede, d. h. es wird hier das Enthaltende für das Enthal⸗ tene genannt; es ſoll alſo damit geſagt ſein: Wir werden gerecht durch Chriſtum, den der Glaube ergreift. Wie man ſagt, es wird Jemand durch das Eſſen geſättigt, und doch iſts die Speiſe, die ihn ſättigt, nicht das Eſſen, ſo ſagen wir dem, der geiſtlich hungert: Willſt du ſelig werden, ſo mußt du nehmen, was der HErr dir anbietet, aber das Nehmen ſtillt ſeine Seele nicht, ſondern die Gnade; ſo iſt der Glaube ohne Chriſtum gar nichts werth und nur der Glaube an Chriſtum iſts, der gerecht macht. Hiezu kommt nun noch dieſes, was in neuerer Zeit noch mehr zu betonen ſein wird, daß auch der Glaube ein lauteres Gnadengeſchenk Gottes iſt. Der Menſch, ſagt die Concordienformel, verhält ſich in ſeiner Bekehrung mere passive d. h. nur leidend; er thut nichts, ſondern es wird etwas an ihm gethan, und erſt wenn der liebe Gott den Glauben in uns erzeugt hat, dann kann er anfangen mitzuwirken. In neuerer Zeit aber haben die Iowaer offen die Lehre aus⸗ geſprochen, die letzte Entſcheidung beim Seligwerden ſtehe ſchließlich beim Menſchen. Sie ſagen, es ſei freilich wahr, daß der Menſch aus Gnaden ſelig werde, aber wenn Gott die Gnade anbiete, dann könne der Menſch vor⸗ läufig ſo viel Gnade haben, daß er nun mitwirke und ſich ſelbſt entſcheide. Durch die Gnade werde nämlich der Wille des Menſchen ſo weit befreit, daß er ſich frei entſcheiden könne für Annahme oder Verwerfung der Gnade, ſo daß alſo der Menſch dadurch ſelig werde, daß er die angebotene Gnadenkraft treu benutze. Wir können freilich nach unſerer Vernunft nicht anders ſchließen, als: Wenn die einen die Gnade annehmen und andere nicht, während alle in gleicher Ohnmacht und Schuld liegen, ſo muß das daran liegen, daß die erſteren beſſer ſind, weil ſie ſich für Annahme der Güter entſcheiden. Allein Gottes Wort erklärt, daß die Verdammniß aus Schuld des ſich ſelbſt ver⸗ ſtockenden Menſchen über ihn komme, dagegen daß der Glaube ein freies Gnadengeſchenk Gottes ſei, wodurch der Menſch die Gerechtigkeit Chriſti ſich zueignet. Theſis 10: „Der Glaube an Chriſtum macht alſo gerecht und ſelig, nicht weil er als ein ausgezeichnetes Werk des Menſchen ein ſo überſchwäng⸗ liches Verdienſt bei Gott erwürbe, und als Genugthuung für die Sünde Gott mit den Menſchen ausſöhnte, ſondern weil er auf Seiten des Menſchen die Nehmehand iſt, welche den Schatz des Verdienſtes Chriſti und alſo der Vergebung, Gerechtigkeit und Seligkeit, welcher in der Gnadenverheißung dargeboten und geſchenkt wird, wirklich ergreift und annimmt. Der Glaube macht auch nicht deshalb vor Gott gerecht und ſelig, weil Gott aus freier Gnade und Liebe willig wäre, ihn als ein verdienſtliches Werk der Gerechtig⸗