# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S65 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 65 — mehr zu unſerer Seligkeit zu thun haben, darum iſt der Glaube nöthig; wenn die Gerechtigkeit freilich nicht aus Gnaden wäre, dann müßte etwas anderes zu ihrer Erlangung erfordert werden, nun ſie aber aus Gnaden iſt, ſo iſt der Glaube genug, denn der iſt eben nur ein Annehmen. — Wenn mir Jemand etwas verheißt, oder verſpricht, mir etwas zu geben, was kann ich da anders machen, als daß ichs glaube? Die Liebe hilft da nichts dazu, das Nachdenken hilft auch nichts, die Heiligung auch nichts, das alles ent⸗ ſpricht nicht der Natur eines freien Geſchenks, daß dasſelbe nemlich in mei⸗ nen Beſitz komme, ſondern allein das, daß ich es annehme. Das iſt aber eben der Glaube. Da halte ich fürwahr, dieſe Verheißung hat Gott mir, mir, mir gegeben. Zu Dr. Luther kam eine Frau in großer Anfechtung und ſagte, ſie könnte nicht glauben, daß ſie ſelig würde; ſie müßte verloren gehen. Da ließ er ihr den zweiten Artikel des kleinen Katechismus herſagen und fragte dann, ob ſie das glauben könne? und als ſie das bejahte, da ließ er ſie gehen und ſagte: So du das glaubeſt, ſo ſtehts wohl mit dir. In der That, wer das ſagen kann: „Ich glaube an JEſum Chriſtum ... der mich verlorenen und verdammten Menſchen erlöſet hat von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels“, der hat Leben und Seligkeit. — Mit jenem Spruch wird auch der papiſtiſche Wahn zurückgewieſen, als ſei der Glaube eine Art Tugend neben der Liebe und Hoffnung, und der ſchwärmeriſche Wahn, als mache der Glaube als eine Veränderung im Herzen des Menſchen Gott an⸗ genehm, daß alſo Gott um des Glaubens willen am Menſchen ein Wohlgefallen habe. Nein, nicht der Glaube gibt dem Menſchen Werth vor Gott, ſondern Chriſtus, den der Glaube ergreift. Es iſt damit wie mit einem einfachen Ring, in den ein Diamant gefaßt iſt. Woher hat der nun ſeinen hohen Werth? Er liegt nicht im Ring, ſondern im Edelſtein, der darein gefaßt iſt. So iſts auch mit dem Glauben, der Chriſtum erfaßt und damit einen beſeligenden Schatz in ſich hat. Die Concordienformel redet davon ſo: „Welche Güter uns in der Verheißung des heiligen Evangelii durch den Heiligen Geiſt fürgetragen werden und iſt allein der Glaube das einige Mittel, dadurch wir ſie ergreifen, annehmen und uns appliciren und zueignen; welcher iſt eine Gabe Gottes, dadurch wir Chriſtum unſern Er⸗ löſer im Wort des Evangelii recht erkennen und auf ihn vertrauen, daß wir allein um ſeines Gehorſams willen aus Gnaden Vergebung der Sünden haben, für fromm und gerecht von Gott dem Vater gehalten, und ewig ſelig werden..... Denn der Glaube macht gerecht, nicht darum und daher, daß er ein ſo gut Werk und ſchöne Tugend, ſondern weil er in der Verheißung des heiligen Evangelii den Verdienſt Chriſti ergreift und annimmt; denn derſelbige muß uns durch den Glauben applicirt und zugeeignet werden, wenn wir dadurch gerecht ſollen werden, daß alſo die Gerechtigkeit, die vor Gott den Gläubigen oder dem Glauben aus lauter Gnaden zugerechnet wird, iſt der Gehorſam, Leiden und Auferſtehung Chriſti, da er für uns dem Geſetz genug gethan und für unſere Sünde bezahlet hat. — Solche Gerechtigkeit