# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S64 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 64 — getroffen, gebunden oder gelöſet habe, oder denkt ſo leichtfertig dahin: Oh triffts, ſo triffts; der läſtert Gott, verleugnet Chriſtum, tritt die Schlüſſel mit Füßen, und iſt ärger denn ein Heide, Türk oder Jude. Desgleichen thut er auch, ſo gebunden oder gelöſet wird, wo er nicht glaubet, zweifelt oder ge⸗ ringe achtet: denn man ſoll und muß Gottes Worten glauben, mit ganzem Ernſt und mit aller Zuverſicht. Wer nicht glaubet, der laſſe die Schlüſſel mit Frieden; er möchte ſonſt lieber mit Judas und Herodes in der Hölle ſein: denn Gott will ungeſchmäht ſein durch unſern Unglauben. Es iſt wahrlich nicht jedermanns Ding, der Schlüſſel wohl brauchen. Wiederum, wer da glaubt, oder je gern glauben will, daß die Schlüſſel gewiß ſind, der ſei fröhlich und brauche ihrer getroſt. Du kannſt Gott in ſeinen Schlüſſeln nicht größere Ehre thun, denn ſo du ihnen glaubeſt. Darum lehren wir die Unſern alſo: Wer durch den Schlüſſel gebunden oder gelöſet wird, der ſoll ſolchem Binden und Löſen ſo gewiß glauben, daß er lieber zehnmal ſter⸗ ben ſollte, denn daran zweifeln. Es iſt Gottes Wort und Urtheil, dem keine größere Unehre geſchehen kann, denn ſo man des nicht glaubt. Welches eben ſo viel geſagt iſt, als: Gott, du leugeſt, es iſt nicht wahr, was du ſageſt, ich glaubs nicht, und muß alſo Gott ſein Lügner ſein. Eben ſo gewiß ſoll der auch ſein, ſo da bindet oder löſet; oder iſt gleicher Greuel ſchuldig. Wo hat man aber ſolches jemals im Pabſtthum gelehret oder gehöret? Ja wo mans hätte gelehret, die Fehlſchlüſſel und ſeine Geſellen wären nimmermehr aufkommen, wären wohl dieſe zween Schlüſſel allein und fein rein blieben. Wie viel ſind wohl Biſchöfe und Officiale, die der Schlüſſel alſo brauchen? Sie glauben nicht, daß Gottes Wort ſei, was die Schlüſſel urtheilen, ſinds alſo gewohnet, wie eines alten weltlichen Herkommens. Sollten ſie aber denken, daß es Gottes Urtheil wäre, dem ſie ſelbſt zuvor glauben müßten bei der Seelen Seligkeit, ſie würden nicht ſo leichtfertig, ſondern mit Zittern und Furcht damit umgehen.“ (XIX, 1126. 1172. 1175. ff.) Theſis 9: „Das Mittel, durch welches allein der Menſch in wirk⸗ lichen Beſitz der durch Chriſtum erworbenen und im Wort und Sacrament dargereichten Gabe der Gnade kommt, iſt der Glaube, welcher die Gnaden⸗ verheißung Gottes glaubt und alſo die in dieſer Verheißung Gottes dar⸗ gebotene Gabe des Verdienſtes und der Gerechtigkeit Chriſti ſich zueignet und der Wohlthat Chriſti als ſeines Sündentilgers und Seligmachers ſich tröſtet.“ Hiezu iſt eine köſtliche Stelle Röm. 4, 16.: „Derohalben muß die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf daß ſie ſei aus Gnaden, und die Verheißung feſt bleibe allem Samen.“ Damit bezeugt der Apoſtel Paulus, der Glaube ſei nicht etwa eine Bedin⸗ gung, die von unſerer Seite erfüllt werden müſſe, wenn wir der Seligkeit, die Chriſtus uns erworben hat, theilhaftig werden ſollen; nein, will er ſagen, wenn Gott von uns den Glauben fordert, ſo ſpricht er damit nicht: Wohl hat mein Sohn für euch genug gethan und die Welt erlöſ't, aber nun müßt ihr auch etwas thun; im Gegentheil ſteht es ſo: Weil wir eben gar nichts