# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S63 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 63 — zu ſeiner Zeit, daß um ſeines Unglaubens willen das Binden nicht vergeblich geweſen iſt, noch gefehlet hat. Alſo auch, wer nicht glaubet, daß er los ſei und ſeine Sünden vergeben, der ſolls mit der Zeit auch wohl erfahren, wie gar gewiß ihm ſeine Sünden jetzt vergeben ſind geweſen, und ers nicht hat wollen glauben. St. Paulus ſpricht Röm. 3, 3.: Um unſers Unglau⸗ bens willen wird Gott nicht fehlen. So reden wir auch jetzt nicht, wer den Schlüſſeln glaubt oder nicht, wiſſen faſt wohl, daß wenige glauben; ſondern wir reden davon, was die Schlüſſel thun und geben. Wers nicht annimmt, der hat freilich nichts; der Schlüſſel fehlet darum nicht. Viele glauben dem Evangelio nicht; aber das Evangelion fehlet und leuget darum nicht. Ein König gibt dir ein Schloß: nimmſt du es nicht an, ſo hat der König darum nicht gelogen noch gefehlet, ſondern du haſt dich betrogen und iſt deine Schuld; der König hats gewiß gegeben. Ja, ſprichſt du, hie lehreſt du ſelbſt den Fehlſchlüſſel; denn es geſchieht nicht alles, was die Schlüſſel ſchaf⸗ fen, weil es etliche nicht glauben noch annehmen. Ei Lieber, wenn das ge⸗ fehlet ſoll heißen, ſo fehlet Gott mit allen ſeinen Worten und Werken. Denn wenige glaubens oder nehmens an, was er doch gegen alle ohne Unterlaß redt und thut. Das heißt gar die Zungen verkehret und aus der Sprache gegangen. Denn ſolches heißt nicht gefehlet oder geirret, wenn ich etwas thue oder rede, und ein andrer verachtets oder läßts anſtehen. Aber des Pabſts Fehlſchlüſſel iſt alſo gelehret, verſtanden und gehalten, daß er ſelbſt, der Schlüſſel an ihm ſelbſt, irren mag, obs gleich ein Menſch gern glauben und annehmen wollte; denn es iſt ein conditionalis Clavis, ein Wankel⸗ ſchlüſſel, der uns nicht auf Gottes Wort, ſondern auf unſere Reue weiſet, ſpricht nicht frei: Ich löſe dich gewißlich, das ſollſt du glauben; ſondern ſo ſpricht er: Biſt du bereuet und fromm, ſo löſe ich dich; wo nicht, ſo fehle ich, das heißt Clavis errans, und kann ſelbſt nicht drauf fußen noch ſagen: Ich weiß gewiß, daß ich dich für Gott gelöſet habe, du glaubeſt oder glaubeſt nicht, wie Peters Schlüſſel ſagen kann; ſondern muß alſo ſagen: Ich löſe dich auf Erden, weiß aber wahrlich nicht, ob du für Gott drum los ſeieſt. Denn ſie haben den Glauben nicht gelehret bei den Schlüſſeln, wie man ſiehet in allen Ablaßbullen, da Reue und Beichte und Pfennige gefordert werden, und gar nichts vom Glauben gemeldet wird. Auch kann mans dabei wohl merken; denn ſie bereuen und ſtrafen ſolchen ungewiſſen Wahn weder an ihnen ſelbſt, noch an andern, gehen fein ſicher dahin, als wäre ſolcher Zwei⸗ fel gar keine Sünde, und denken: Habe ich getroffen, ſo habe ich getroffen, habe ich gefehlet, ſo habe ich gefehlet, iſt gleich viel; haben alſo ſolches Un⸗ glaubens weder Gewiſſen noch Sorge: ſo es doch eine greuliche Sünde iſt des Unglaubens auf beiden Theilen, beide des, der da bindet oder löſet, und des, der gebunden oder gelöſet wird. Denn es iſt Gottes Befehl und Wort, das jener ſpricht und dieſer höret: ſind beide ſchuldig bei ihrer Seelen Seligkeit, ſolches ſo gewiß und feſt zu glauben, als alle andern Artikel des Glaubens. Denn wer da bindet und löſet, glaubet aber nicht, ſondern zweifelt, ob ers