# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S61 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 61 — wäre, daß er glaubt. Nun ſoll zwar, was das Letztere betrifft, keiner zum Sacrament gelaſſen werden, er ſei denn verhöret und bekenne, daß er glaube; ob er aber die Wahrheit redet oder heuchelt, das kann ich nicht wiſſen, denn ich kann ihm nicht ins Herz ſehen; ſo thue ich, was mir Gott befohlen hat, und bin gewiß, daß ich alle wahrhaftig abſolvire; ob ſie deſſen genießen, das weiß ich nicht. Es iſt eben nicht nur eine Rechtfertigung ermöglicht, ſondern erworben und geſchehen. Wie darum wir vom Weſen des Evangeliums und der Abſolution reden, ſo redet Gottes Wort ſelbſt davon, daß Gott gebe und ſchenke, ohne Rückſicht darauf, ob die Sache angenommen werde, oder nicht. Wir halten uns einfach, den Gegnern dieſer Lehre gegen⸗ über, an das Wort: „Glauben wir nicht, ſo bleibet er treu, er kann ſich ſelbſt nicht leugnen“, 2 Tim. 2, 13.; „daß etliche nicht glauben, was liegt daran? Sollte der Menſchen Unglaube Gottes Glauben aufheben? Das ſei ferne“, Röm. 3, 3. 4. Nach der Gegner Lehre müßte ich alles verwerfen, was ich je bekommen habe, ſobald ich zweifelhaft würde, ob ich damals auch recht geglaubt habe. Ließe ich mich heute taufen, und übers Jahr kämen mir Zweifel, ob ich auch recht geglaubt habe, ſo müßte ich mich wieder taufen laſſen. Aber, Gott ſei Dank, wir dürfen uns gewiß deß tröſten: was Gott an uns gethan hat, das hat er für immer an uns gethan und macht es von ſeiner Seite nicht wieder ungeſchehen; wir ſollens nur glauben. Verflucht aber ſei die Lehre, welche von meinem Glauben die Würdigkeit, Kraft und Giltigkeit der Abſolution abhängig macht. Denn das iſt gerade des armen Sünders Troſt, daß er weiß: der liebe Gott betrügt mich nicht, wenn er mit mir redet. War ich alſo bisher nicht in der rechten Verfaſſung, ſo will ich mich jetzt deſſen tröſten, daß Gottes Gaben und Berufung ihn nicht gereuen. So iſt meine Taufe giltig, auch wenn ich falle und die Gnade derſelben ver⸗ werfe. Wohl bin ich dann aus dem Schiff gefallen ins Meer des Verder⸗ bens, aber das Schiff iſt noch da mit allem, was mich zum Himmel bringen kann; ich ſoll nur wieder ins Schiff zurück und mich aufs Neue meiner Taufe tröſten. Ja, wäre es möglich, daß einer gottlos ſein und ſeine Taufe behalten könnte, er käme richtig im Himmel an; aber es iſt das eben eine Un⸗ möglichkeit. Es iſt das eine gar tröſtliche Lehre für den geängſteten Sünder; denn ſie zeigt ihm, der Teufel habe kein Recht und keine Macht an ihn, wenn er nur das Wort nicht wegwerfe. Wir können nicht genug betonen, was in der Augsburgiſchen Confeſſion geſagt wird: Die Abſolution, die mir ge⸗ ſprochen wird, iſt allemal Gottes Wort. Damit ſoll nicht nur geſagt wer⸗ den: die Worte ſind aus der Bibel genommen, ſondern: Wenn dich der Pre⸗ diger abſolvirt, ſo iſt das allemal Gottes Wort an dich, du kannſt glauben, daß es Gott iſt, der durch den Mund eines armen Sünders zu dir ſpricht: Wie du glaubſt, ſo geſchehe dir. So gottlos es wäre, wenn du hörſt: „Im Anfang ſchuf Gott Himmel und Erde“ und du wollteſt das nicht glauben, eben ſo gottlos iſt es, wenn du abſolvirt wirſt, und du ſagſt: Das iſt nicht wahr, daß mir da Vergebung geſchenkt wird, ich bin ja ein großer Sünder,