# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S59 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 59 — Beichtenden ſagen: Bedenke, was du biſt, erkennſt du deine Sünden nicht alle, haſt du nicht den und den Grad der Reue über ſie, ſo bekommſt du keine Ab⸗ ſolution; ſondern ſo ſoll man ſagen: Ich abſolvire dich jetzt, damit wird dir die Vergebung aller deiner Sünden geſchenkt; du biſt daher ein verfluchter Menſch, wenn du das nicht glaubſt. Darum iſts eine ſo große Sünde, zur Beichte gehen und doch dem Worte der Abſolution nicht glauben. Wenn ich auch der größte Sünder wäre, ſo ſoll ich doch bei Gottes Ungnade dieſer Ab⸗ ſolution glauben. Freilich, ſo lang einer ein verſtockter Sünder iſt, kann er dem Worte eben nicht glauben, aber dann iſt die Schuld nicht da zu ſuchen, daß die Abſolution nicht kräftig geweſen wäre. Weil die Abſolution nichts anders iſt, denn das Evangelium, ſo haben ſich unſere Väter auch durchaus nicht an beſtimmte Abſolutionsformeln gebunden; welche ſie indeß auch immer gebraucht haben mögen, das leuchtet immer daraus hervor, daß ſie dem Sünder das Evangelium verkündigen und es auf ihn anwenden wollten. Es ſind beſonders zwei Dinge hiebei zu betonen, erſtlich, daß das Evange⸗ lium ein Gnadenantrag Gottes ſei, ſowie daß von Seiten des Menſchen nichts hinzukommen müſſe, um ſolchen Antrag giltig zu machen. Wenn man das Evangelium ſeinem Weſen nach davon abhängig macht, daß der Menſch glaubt, ſo hat der Glaube nichts, woran er ſich halten kann. Der Menſch muß aber doch etwas haben, was er glauben könne, ſonſt kann er überhaupt nicht glauben; iſt nun das Evangelium nicht giltig, es ſei denn, der Menſch glaube es erſt, was ſoll er denn glauben? Man wird ſo, wie Luther ſagt, auf einen Affenſchwanz geführt. Das heißt die Leute, welche in Angſt ſtehen und Zweifel an ihrer Seligkeit haben, in die Zwickmühle führen. Ganz anders lehrt unſere Augsb. Conf. Art. 25.: „Dabei wir das Volk fleißig unterrich⸗ ten, wie tröſtlich das Wort der Abſolution ſei, wie hoch und theuer die Abſo⸗ lution zu achten; denn es ſei nicht des gegenwärtigen Menſchen Stimme oder Wort, ſondern Gottes Wort, der da die Sünde vergibt. Denn ſie wird an Gottes Statt und aus Gottes Befehl geſprochen. Von dieſem Befehl und Gewalt der Schlüſſel, wie tröſtlich, wie nöthig ſie ſei den erſchrockenen Gewiſſen, wird mit großem Fleiß gelehret; darzu, wie Gott fordert, dieſer Abſolution zu glauben nicht weniger, denn ſo Gottes Stimme vom Himmel erſchölle, und uns derſelben fröhlich tröſten, und wiſſen, daß wir durch ſolchen Glauben Vergebung der Sünden erlangen.“ Alſo iſt die Abſolution ein Gegenſtand für unſern Glauben und nicht ein bloßer Wegweiſer zum Glauben. Immer ſoll uns vor Augen ſtehen die Verheißung, und in ihr ſollen alle erſchrockenen Seelen Troſt und Vergebung ſuchen und ſich daran aufrichten. Dagegen wenn der Glaube erſt da ſein ſoll, ſo wird er zu etwas ganz anderm gemacht, als er eigentlich iſt; er iſt dann nicht mehr ein Ergreifen und Annehmen der vorhandenen Güter. Die Apologie lehrt: „Wir aber ſetzen das andere Stück der Buße dazu, nämlich den Glauben an Chriſtum, und ſagen, daß in ſolchem Schrecken den Gewiſſen ſoll vorgehalten werden das Evangelium von Chriſto, in welchem verheißen iſt Vergebung der Sünden aus Gnaden durch