# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S58 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 58 — ken: Demnach muß man auch alle erklärt verruchten Menſchen abſolviren, ſelbſt Leute, wie den Affen⸗Vogt; allein dagegen ſteht Chriſti Ordnung: „Ihr ſollt das Heiligthum nicht den Hunden geben und die Perle nicht vor die Säue werfen.“ Auch Affen⸗Vogt wäre freilich wirklich abſolvirt, wenn er das Evangelium hörte; aber er würde ſeinen Scherz damit treiben und das Gut unter die Füße treten, wie die Sau eine edle Perle. Weil wir nun das von den bekannten Ungläubigen zum Voraus wiſſen, deshalb abſolviren wir ſie nicht, aber nicht, weil wir glaubten, ſie ſeien nicht erlöſ't. Ach, wenn das die Ungläubigen wüßten und bedächten, ſo würden ſie nns nicht als pfäffiſche, aufgeblaſene Leute anſehen, die es nicht gut mit ihnen meinten. Sie meinen nämlich, wir abſolviren in dem Sinn, weil wir ordinirte Herren ſeien, denen in der Ordination wie durch einen elektriſchen Strom die Macht verliehen ſei, Sünden zu vergeben, ſo daß, wenn wir ſagen: Ich vergebe dir die Sünden, dieſe vergeben ſeien kraft unſerer Abſolution. So lehren aber nicht wir, ſondern die Papiſten; die binden die Kraft der Abſolution an das beſchorene Prieſterthum. Wir aber ſagen: Das iſt keine Kunſt, jemanden zu abſol⸗ viren; das kann jeder gewöhnliche Chriſtenmenſch, jede Frau, jedes Kind auch, wenn es nur erzählen kann, daß der HErr JEſus für alle geſtorben ſei und wer an ihn glaube, Vergebung der Sünden empfange. Denn die Abſolution beruht ja nicht in der Qualität des Sprechenden, ſondern in dem Wort des Evangeliums von der geſchehenen Verſöhnung. Deshalb ſteht auch in der Apologie, wer die Abſolution verwerfe, der wiſſe nicht, was Evangelium ſei; und Luther ſagt, er halte darum ſo über der Abſolution, damit die Leute das Evangelium erkennen. Das Evangelium iſt aber die Botſchaft, welche der verlornen Welt gebracht werden ſoll, ſie ſei erlöſ't — eine Botſchaft, nicht wie wir eine andere Nachricht überbringen, ſondern als vom großen Gott im Himmel ausdrücklich überſandt. Dazu macht er ſeine Boten getroſt und ſpricht: Predigt es nur getroſt, ich werde kein Lügner ſein, ſondern das Wort, welches ich in euren Mund gebe, wahr machen. Darum ſagt Luther: „Ein Prediger kann den Mund nicht aufthun, er muß eine Abſolution ſprechen“, denn ſobald er nur des HErrn Chriſti Erwähnung thut, iſts lauter Abſolu⸗ tion. Darum iſt es gar keine Anmaßung, wenn ein lutheriſcher Paſtor ſagt, daß er abſolviren könne, denn er will damit nicht ſagen, ihm ſei die Kraft dazu durch die Weihe zum Amt mitgetheilt worden, als etwas Sonderliches, ſondern die Kraft ſei die des Wortes, welches zu predigen das ihm übergebene Amt berechtige. Durch das Erzählen und Verkündigen aber will der liebe Gott alles austheilen, und unſer Abſolviren in der Beichte iſt nur ein be⸗ ſtimmter Ausdruck, eine kurze Summa deſſen, was man in der Predigt ver⸗ kündigt, und zwar mit dem Unterſchied, daß man ſich jetzt an den Einzelnen wendet. Kraft des Amtes heißt hier kraft des Evangeliums, das ich zu pre⸗ digen berufen bin; ſo daß Luther ſagt, daß mit den Worten: Welchen ihr die Sünden erlaſſet ꝛc. „nicht wird eingeſetzt die Gewalt des, der da ſpricht; ſondern deren, die da glauben“. (XI, 1002.) Darum ſoll man nicht zu dem