# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S57 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 57 — haben; gehören ſie zu den Gläubigen, dann verkündet das Evangelium auch ihnen die Gnade Gottes; wenn nicht, dann gilt die Botſchaft ihnen nicht. Sie glauben eben nicht, daß Gott mit der Welt ſchon verſöhnt iſt, und daß das Evangelium nichts anderes iſt, als die Verkündigung davon auf Gottes Befehl und eine Mittheilung nach ſeiner Ordnung. Wenn ein Menſch zum Tode verurtheilt iſt und der Richter ſpricht ihn los, ſo beſteht ja die Begna⸗ digung nicht darin, daß er ihn eigenhändig vom Galgen losſchneidet, ſondern darin, daß er ihn losſpricht, und ſolch Losſprechen begreift alles andere in ſich. So, wenn Gott losſpricht, dann hat er durch das Wort auch gerechtfertigt. Wer darum leugnet, daß das Evangelium eine Abſolution der Welt ſei, der leugnet überhaupt das Evangelium Chriſti; dann iſt es nicht eine frohe Bot⸗ ſchaft, ſondern ein Unterricht davon, was ein Menſch ſelbſt thun ſolle, damit ihm Gott gnädig ſei. Ausdrücklich ſagt der HErr, das Evangelium ſoll ge⸗ predigt werden in aller Welt „zu einem Zeugniß über ſie“; die frohe Botſchaft ſoll alſo verkündigt werden, ſie werde nun angenommen, oder nicht, oder, wie der Apoſtel ſagt, dem einen als ein Geruch des Lebens zum Leben, dem andern als ein Geruch des Todes zum Tode. Bei der Gegenlehre muß der Menſch immer erſt den Glauben haben, ehe ein Gut da iſt, während Gottes Wort ſagt: Glaube, ſo haſt du es. Es iſt darum die Gegenlehre eine gottloſe Lehre, vor der man erſchrecken ſoll. Was nützt bei ihr alle Aufforderung zum Glauben? Was ſoll ich denn glauben, wenn noch nichts vorhanden iſt? Doch es gehört zu dieſer Theſis gleich die nächſte von der Abſolution. Theſis 8: „Die heilige Abſolution iſt eine Predigt des Evange⸗ liums an eine oder mehrere beſtimmte Perſonen, welche den Troſt des Evan⸗ geliums begehren. Es iſt dieſelbe daher auch allezeit an ſich ſelbſt giltig und kräftig, denn Gott erklärt ſich darin durch ſeines Dieners Mund für einen durch Chriſti Blut und Tod wahrhaft verſöhnten Gott und theilt ſo ſeiner⸗ ſeits die Gabe der Vergebung und Gerechtigkeit an alle, welche abſolvirt werden, aus, obgleich viele der im Evangelio dargebotenen Gnadengaben nicht theilhaftig werden um ihres Unglaubens willen.“ Wenn ich Beichte halte und abſolvire, ſo bin ich nur dann ein rechter lutheriſcher Prediger, wenn ich deß gewiß bin: Die da waren, die habe ich alle gelöſ't in dem Augenblick, als ich ihnen das Wort der Abſolution ſagte, und die nur ſind rechte Lutheraner, welche glauben, daß ſie wahrhaftig von Gott losgeſprochen wurden. Es ſoll keiner denken: Wüßte nur der Prediger, was ich für ein Menſch bin, er würde mich nicht abſolviren; nun weiß ich es aber, und darum gilt ſeine Abſolution nichts. Vielmehr ſoll jeder mit dem Ge⸗ danken aus der Kirche gehen: Nun hat Gott uns alle begnadigt und die Schuld vergeben. So kann man aber freilich nur glauben, wenn man glaubt, die Welt iſt erlöſ't; denn glaube ich das, ſo iſt die Abſolution nur die Mittheilung der Thatſache an die Beichtenden, daß ſie vor 1800 Jahren erlöſ't wurden, und die Bitte: Glaubt das nun, ſo ſeid ihr alle ſelig. Wie ſchlimme Men⸗ ſchen müßt ihr ſein, ſo ihr das nicht glaubt! Nun ſollte wohl jemand den⸗