# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S56 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 56 — Bücher beſchreiben darum auch die Gnadenmittel bald als Mittel, welche den Glauben im Herzen des Menſchen hervorbringen, bald als Gefäße, in denen Gott ſeine himmliſchen Güter darreicht. Wenn nemlich Gott zum Menſchen kommt, ſo findet er ihn 1. bettelarm und 2. todt; darum muß nun Gott durch ſeine Gnadenmittel beides an ihm thun: Er muß ihn 1. aus dem Tode erwecken und 2. mit den Gütern ſeines Hauſes beſchenken. So iſt Gott unſer Arzt und unſer großmüthiger Begaber, und ſein Wort iſt theils Arznei, theils Träger des himmliſchen Schatzes. Wenn wir die Kraft zum Glauben in uns ſelbſt hätten, dann wäre es freilich genug, daß uns das Wort die Schätze einfach ankündigte, aber wir haben nicht einmal die Kraft zu wollen, zu ſuchen, zu ergreifen, darum iſt dieſe zweifache Kraft der Gna⸗ denmittel zu unſerer Seligkeit nöthig, daß es uns aufweckt zum neuen Leben, und daß es uns gibt, was wir nicht haben. Theſis 7: „Das Evangelium iſt daher nicht eine bloße hiſtoriſche Erzählung von dem geſchehenen Werke der Erlöſung, ſondern vielmehr eine kräftige Friedenserklärung und Gnadenverheißung Gottes an die durch Chri⸗ ſtum erlöſ'te Welt und ſo allezeit ein kräftiges Gnadenmittel, in welchem Gott die durch Chriſtum erworbene Sündenvergebung und Gerechtigkeit ſeinerſeits bringt, darreicht, austheilt, gibt und ſchenkt, obgleich nicht alle, an welche Gott ſeinen ernſtlichen Gnadenruf ergehen läßt, dieſe Einladung des verſöhnten Got⸗ tes annehmen, und alſo auch der mitfolgenden Güter nicht theilhaftig werden.“ Eine Hauptfrage in dieſem ganzen Handel iſt: Was iſt Evangelium? Als Antwort iſt feſtzuhalten: Es iſt der Pardon Gottes an die Welt. Weil er durch Chriſtum verſöhnt worden iſt, ſo will er das nun auch predigen laſſen, damit die ganze Welt bewogen werde, ſich auch mit ihm verſöhnen zu laſſen. Die Concordienformel ſagt: „Wir müſſen in alle Wege ſteif und feſt darüber halten, daß, wie die Predigt der Buße, alſo auch die Verheißung des Evan⸗ gelii universalis, das iſt, über alle Menſchen gehe, Luc. 24. Darum Chriſtus befohlen hat, zu predigen in ſeinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern.“ (S. 709.) So wird auch in den ſymboliſchen Büchern das Evangelium kurzweg Abſolviren genannt: „Das Wort der Abſolution verkündet uns Frieden und iſt das Evangelium ſelbſt.“ Die Reformirten meinen, das Evangelium ſei eine Erzählung, ein hiſtoriſcher Bericht von dem, was Gott gethan hat; daß aber Gott in dieſem Wort auch Gnade darreiche, das leugnen ſie. Unſere Kirche aber lehrt, daß, wer dem Evangelio zuhört und glaubt, gerecht wird. Wenn darum das Evangelium verkündet wird, ſo iſt es Abſolution, und die nicht daran glauben, hören ſie ſich ſelbſt zum Ge⸗ richt. Die Gegner dagegen meinen, das Evangelium bringt nur für die Bußfertigen einen Schatz. Sie verwechſeln da die zwei Dinge: Die Art und Natur der Abſolution und die rechte Anwendung durch die Kirchendiener. Denn die ſollen das Evangelium ſo predigen, daß es auf die Bußfertigen an⸗ gewandt wird. Was ſie vom Evangelio ſagen, das iſt eine jämmerliche Lehre, und mit den Hörern iſts beſtellt, wie mit den Leuten, die in die Lotterie geſetzt